Auer OB-Kandidat Kaettniß: Einheitsgemeinde Silberberg keine Garantie für eine erfolgreiche Zukunft

Uwe Kaettniß, Oberbürgermeisterkandidat der GRÜNEN für Aue

Uwe Kaettniß, Oberbürgermeisterkandidat der GRÜNEN in Aue, meldet sich in der wieder aufgeflammten Diskussion um eine Einheitsgemeinde Silberberg, die aus Aue, Schneeberg, Lößnitz und Bad Schlema bestehen soll, zu Wort:

"Nun hat der Bundestag eine Gesetzesänderung beschlossen, die die Gründung einer Einheitsgemeinde Silberberg möglich macht, ohne dass exorbitante Steuerzahlungen fällig werden. Nun könnte die Stadtgründung, welche seit geschlagenen 17 Jahren mehr schlecht als recht betrieben wird, doch noch umgesetzt werden.An mannigfaltigen Bekenntnissen dazu hat es jedenfalls noch nie gemangelt. An konkreten Taten dafür schon. Wie anders wäre es sonst erklärlich, dass es offenbar 17 Jahre hartnäckiger Verhandlungen bedürfte, um wenigstens ein gemeinsames Standesamt der Orte Aue, Schneeberg, Lößnitz und Bad Schlema auf den Weg zu bringen? Stimmen werden laut, die fordern, die Städte müssten nun Nägel mit Köpfen machen, grundlegende Weichen bis zum Frühjahr 2015 stellen. (siehe MdL Krauß in der Freien Presse vom 12. Juni 2013) Neben der Frage, ob nun innerhalb von zwei Jahren ausgehandelt und nachgeholt werden kann was in den vergangenen 17 Jahren nicht gelang, muss aber auch gefragt werden, wozu eine solche Stadtgründung gut ist, was sie an Positivem bewirken kann und was wir mit ihr auch verlieren können. Eine Stadtgründung kann kein Selbstzweck sein, nur weil sie irgendwann beschlossen wurde, sondern sie sollte Ziele verfolgen, die anders nicht zu erreichen sind. Doch welche sind das? Wo sind diese Ziele festgehalten? Sind sich alle Kommunen darin einig, auch heute noch? Wie wurden die Bürger der vier Orte beteiligt? Tragen die Bürger des künftigen Silberberges die Stadtgründung mit, oder ist es eine klassische Kopfgeburt?"

Intensivere Zusammenarbeit erforderlich als bisher

"Aus meiner Sicht ist es ohne jede Frage notwendig, dass die Kommunen des Städtebundes Silberberg einer viel intensiveren Zusammenarbeit als bisher bedürfen. Wenn unsere Städte zukunftsfähig werden sollen - und Zukunftsfähigkeit bedeutet eine hohe Attraktivität, eine hohe Lebensqualität für die Einwohner und eine hohe Attraktivität als Wirtschaftstandort - dann können die Städte sich keine kontraproduktiven Konkurrenzen mehr erlauben. Dann müssen infrastrukturelle Maßnahmen gemeinsam geplant werden. Von der Verkehrsplanung bis zur Kultureinrichtung, von der Ausweisung der Wohn- und Gewerbegebiete bis zum Volksfest müssen alle Orte teilhaben. In solch einen Prozess könnten die Orte des Städtebundes ihre Stärken einbringen und für alle nutzbar machen: Schneeberg seine überragende bergbauhistorische Bedeutung als touristischer Magnet, Lößnitz seinen Ruf als alte Bergstadt und lebendige Bürgergemeinde, Schlema seine Status als Kurbad und letztendlich Aue als die Stadt mit industrieller Geschichte und Zukunft."

Kommunen sollen keine neue Stadt Silberberg gründen 

"Aber: müssen die Kommunen dazu ihre Eigenständigkeit aufgeben und unter dem Namen Silberberg eine neue Stadt gründen? Ich meine, dass müssen sie nicht! Die Möglichkeiten gemeinsamer Stadtentwicklung und Planung jenseits der Aufgabe der kommunalen Selbständigkeit sind bisher nicht im Ansatz erschlossen. Die Gründung einer gemeinsamen Stadt sollte der letzte Akt und Schlusspunkt nach einem Entwicklungsprozess sein, der auch die Bürger mitnimmt und die Bildung einer gemeinsamen Identität als Silberberger ermöglicht. Davon sind wir jedoch weit entfernt. Eher dominieren Befürchtungen die Debatte, dass bei einer Gründung der Stadt Silberberg die historisch gewachsenen Identitäten der Städte verloren gehen könnten. Identitäten, aus denen die Orte ihre Kraft über Jahrhunderte bezogen. Aue ist fast 840 Jahre alt, Lößnitz 775 Jahre, Schneeberg 542 Jahre und auch Bad Schlema blickt auf eine fast 800 jährige Geschichte zurück. Die Gründung einer Einheitsgemeinde Silberberg birgt auch das große Risiko, dass diese Historien in der Wahrnehmung verschwinden - nach außen für Gäste, Touristen und Investoren, nach innen für die Bewohner der Stadt. Das zumindest sollten wir auf dem Weg zu einer gemeinsamen Stadt bedenken: Stärke kommt aus dem Wissen um der Verbindung der einzelnen Kräfte. Nicht aus der Aufgabe der Selbständigkeit."