Bericht: Podiumsdiskussion "Sachsens Denkmalschutz auf der Kippe" im Lotterhof Geyer

Dr. Karl-Heinz Gerstenberg, Uwe Lehmann, Wolfram Günther

Vor Beginn der Podiumsdiskussion konnten die Gäste den Lotterhof besichtigen

Schon der Weg ins Bergbaustädtchen Geyer im Erzgebirge zeigte, wie vielfältig die Denkmallandschaft ist und welche Bedeutung Kulturdenkmäler aller couloeur für die Region besitzen: da sind solch herausragende Baudenkmäler wie die Augustusburg oder Scharfenstein, da sind aber auch die großen und kleinen Industriedenkmäler von der "Alten Baumwolle" in Flöhe bis hin zum Huthaus oder der herrlichen überdachten Holzbrücke über die Zschopau bei Hennersdorf.

Und der Veranstaltungsort selbst: Der Lotterhof gilt als einzigartiges Zeugnis der Renaissancearchitektur im Erzgebirge (und wäre nach der Novelle wohl doch nur ein Denkmal 2.Klasse ohne den entsprechenden Schutz). In den Weinkeller des Lotterschen Herrenhauses kamen am 20. Oktober 2010 knapp 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Erzgebirgskreis von Aue bis  Chemnitz, Marienberg bis Schneeberg.

Bis tief in die Nacht hinein wurde über die herausragende Bedeutung von Kulturdenkmälern für die Identität der Bewohner des Erzgebirges, aber auch für den Tourismus und v.a. für den Anreiz hier zu bleiben bzw. irgendwann ins Erzgebirge zurückzukehren diskutiert, über Alltagsprobleme , tatsächlichen Novellierungsbedarf bzw. anderweitige Handlungsbedarfe. Dabei wurde deutlich wie immens der starke Bevölkerungsrückgang und damit die fehlende Nutzung den Erhalt der Denkmallandschaft erschwert. Die Grundannahme, die von einzelnen Teilnehmern geäußert wurde, dass der Bevölkerungsrückgang unumkehrbar sei und deswegen natürlich auch den Abriss rechtfertige, teilte die Mehrheit aber nicht. Vielmehr gälte es, niedrigschwellige Nutzungs- und Instandshaltungsmöglichkeiten gemeinsam zu suchen, damit die Substanz zumindest erhalten werde und evtl. in "wirtschaftlich besseren" Zeiten aufwendiger saniert werden könne.

Denn: „Jedes Kulturdenkmal, das heute zugrunde geht, ist für alle Zeit verloren. Was wir jetzt nicht retten, kann nie mehr gerettet werden. Was wir jetzt versäumen, kann keine künftige Generation nachholen.” (Dt. Nationalkomitee für Denkmalschutz).

Ursula Grämer, die Leiterin der Untere Denkmalschutzbehörde im LRA Erzgebirgskreis zeigte sehr engagiert die derzeitige Situation der Denkmalpflege im Erzgebirge mit all ihren Schwierigkeiten auf, die zum Teil auch der Unkenntnis der Obersten Denkmalschutzbehörde über die Situation vor Ort geschuldet ist. Die Absenkung der Zahlen hat aber niedrigere Zuweisungen an Fördermitteln zur Folge Diese sind nach Einschätzung aller Teilnehmer grundsätzlich viel zu niedrig: 2009 erhielt der Erzgebirgskreis inkl. Verpflichtungsermächtigung 966.000 EURO, die auf 103 ANtragsteller verteilt werden mußten. 2010 standen für 81 Antragsteller noch 394.000 EURO zur Verfügung. Trotz der geringen Summen, nehmen sowohl das Amt als auch die Eigentümer den hohen bürokratischen Aufwand auf sich. Aus dem Publikum wurde zu diesem Punkt starker Unmut über den bürokratischen Aufwand an dieser stelle und die Stichtagsreglung laut. Würde die Abrechnung nicht punktgenau erfolgen, behält das Land die MIttel ein. Gleichzeitig hat das Land die Zuwendungsbescheide in der Vergangenheit aber sehr spät versandt. Die Eigentümer vor Ort haben sich dahingehend beholfen, dass sie die Bauabschnitten noch weiter verkleinert haben, was zwar den Aufwand erhöht, aber die Einhaltung der Fristen ermöglicht.

Zum Entwurf der Denkmalschutznovelle erklärten sowohl Frau Grämer als auch die ehrenamtlichen Denkmalpfleger, dass sie diese zwar intensiv anläßlich der Neuberufung der 80 ehrenamtlichen Denkmalpfleger besprochen hätten, in der Novellierung aber keinen Sinn und Gewinn erkennen könnten. Der Entwurf sei voller Widersprüche, seine praktische Handhabung nahezu unmöglich. Die Kategorisierung ist abzulehnen und auch die Änderungen hinsichtlich des Schutzgebietsstatus müssen zurückgenommen werden. Ansonsten zeige der Enwturf die seit langem bekannte Tendenz, dass immer mehr Arbeit nach unten delegiert wird. Dabei ist die Behörde, die mit 8 Mitarbeitern 1800km² zu bearbeiten hat siet der Verwaltungsreform, die ihr die Zuständigkeit für die fördermittel und die Steuerbescheide gab, schon an der absoluten Belastungsgrenze