Besucherfahrt aus dem Erzgebirge: Ausstellung „Lange Schatten“ mit Skulpturen von Hans Brockhage im Deutschen Bundestag

90 Jahre alt wäre Bildhauer und Holzgestalter Hans Brockhage aus Schwarzenberg in diesem Jahr geworden, weswegen seine Tochter Anna Franziska Schwarzbach, die als Bildhauerin in Berlin lebt, eine Ausstellung mit einigen seiner Werke organisieren wollte. In mehreren Städten fragte sie nach, doch am Ende wurde es Berlin. Im Deutschen Bundestag, genauer gesagt beim Mauer-Mahnmal im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, sollten die Skulpturen von Hans Brockhage für einige Monate zu sehen sein – eine große Würdigung des Schwarzenberger Künstlers und seines Werks. 

Am 15. Mai 2015 eröffnete der Präsident des Deutschen Bundestages Norbert Lammert die Brockhage-Ausstellung mit dem Titel „Lange Schatten“. Bei der Eröffnung waren kaum Besucherinnen und Besucher aus dem Erzgebirge dabei, eine Enttäuschung für Anna Franziska Schwarzbach. Doch im September dieses Jahres besuchte eine Gruppe um die 45 Frauen und Männer aus Schwarzenberg, Aue, Chemnitz und Leipzig, die auf Einladung der GRÜNEN-Bundestagsabgeordneten Monika Lazar zu einer Tagung für politisch Interessierte in Berlin weilten, diese Ausstellung.

Vor dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus am Schiffbauerdamm, direkt an der Spree, begrüßte Anna Franziska Schwarzbach die Gruppe, in der sich einige ihr bekannte Gesichter fanden. Durch die Glasscheiben des Gebäudes konnte man schon von außen die Brockhage-Skulpturen sehen, aber zunächst ging es durch die Sicherheitskontrolle.

Dann betritt man einen großen, hellen, runden Raum in Glas und Beton, der durch das Mauer-Mahnmal zweigeteilt ist – einige Meter Mauer, die genau an dieser Stelle noch vor 25 Jahren Berlin in Ost und West trennte. Auf den Mauerteilen stehen Jahreszahlen und die Zahl der Menschen, die in diesen Jahren bei dem Versuch, nach West-Berlin zu kommen, starben.

Zwölf Skulpturen sind in dem Raum zu sehen, die meisten aus geschwärztem bzw. verwittertem Eichenholz, darunter „Er aber zog seine Straße fröhlich“, „Mahnmal Betty Reiss / Wassenberg“ und „Für Dietrich Bonhoeffer“. Zudem sind in drei Vitrinen Entwürfe und Modelle ausgestellt, an der Wand dahinter sieben Drucke, und an die Betonwand davor wird eine Vorabversion des Filmprojekts „Wind zwischen Bäumen. Ein filmisches Porträt über den Künstler Hans Brockhage“ von Moritz Richard Schmidt projiziert.

Die Skulpturen sind groß, gleich ob sie liegen oder stehen, sie brauchen Platz, damit man sie umrunden und betrachten kann, aus der Nähe und aus der Ferne. Der Ausstellungsraum bietet diesen Platz und durch die Glasfront fällt das Licht, sodass die Skulpturen im Laufe des Tages lange Schatten werfen. Ursprünglich sollte die Ausstellung bis Oktober 2015 laufen, sie wurde jedoch bis zum 20. März 2016 verlängert.

Die Ausstellung ist von Dienstag bis Sonntag 11 bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei und keine Voranmeldung nötig.

Ebenfalls bis zum 20. März 2016 sind im Schadow-Haus in der Schadowstraße 12–13 Werke von Johann Gottfried Schadow und Anna Franziska Schwarzbach unter dem Titel „Prinzessinnen“ ausgestellt.