Bundestagsabgeordnete Monika Lazar gratuliert Kirchlicher Erwerbsloseninitiative Zschopau (KEZ)

Monika Lazar, Sächsische Bundestagsabgeordnete von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Seit 20 Jahren leistet die Kirchliche Erwerbsloseninitiative in der Erzgebirgsstadt Zschopau für Arbeitslose hervorragende Arbeit. Gleich ab 1992, als nach und nach die großen Betriebe Motorradwerk (MZ), DKK Scharfenstein, Textilbetriebe und viele mehr in Zschopau und Region schließen mussten, fanden sich Menschen zu einer Erwerbsloseninitiative zusammen. Trotz aktuell positiver Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt wird der Bedarf an Hilfe bleiben und auch das Ziel, viele Arbeitslose in eine sozialversicherungspflichtige Arbeit zu bringen, meint der Leiter der Initiative Johannes Roscher vor überfülltem Saal bei der Jubiläumsfeier. Die Anwesenden arbeiten in regional wichtigen Projekten, wie „Denkmalwerkstatt“, „Zukunft Pflanzen“, „Brotkorb“ oder „Produktionsschule“ und 27 von ihnen konnten in diesem Jahr vermittelt werden. Diese wurden in einer eindrucksvollen Präsentation in der Feierstunde dem vollen Saal vorgestellt. Am Nachmittag folgte eine Podiumsdiskussion zum Thema: „(K)ein Grund zum Feiern? – Welche Arbeitsmarktpolitik brauchen wir?“. Meine Gesprächspartner auf dem Podium waren  Michael Melzer, Diakonie Sachsen, Michael  Willnecker, DGB Erzgebirge,  Dr.  Kimme, Evangelische Landeskirche und Herr Reißmamm, Jobcenter Kreis Mittleres Erzgebirge. Dabei stellten wir in wesentlichen Punkten viel inhaltliche Übereinstimmung fest. So kritisieren sowohl die grüne Bundestagsfraktion, als auch Diakonie, Landeskirche und Gewerkschaft die ablehnende Haltung der schwarz-gelben Regierung zu einem öffentlich geförderten Arbeitsmarkt.

 

Dass wir dafür ein Konzept brauchen, wurde bei vielen Wortmeldungen aus dem Publikum deutlich. Die Menschen beklagten u.a.:

 

  • Wir wollen uns gebraucht fühlen, auch wenn wir keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt haben.
  • Es braucht mehr Möglichkeiten für Umschulungen. Der „Fach- Fetischismus“ muss ein Ende haben, weil manch einer eine Arbeit beherrscht, aber die Ausbildung zu kompliziert ist. 
  • Regionale Bedingungen sollen stärker berücksichtigt werden. Verwaltungsexport und unsinniger, teurer Überprüfungsaufwand sind unnötig. Wir wünschen uns mehr Vertrauen zu handelnden Personen vor Ort!

Obwohl sich in Deutschland der Arbeitsmarkt statistisch durchaus positiv entwickelt, die Erwerbstätigkeit zunimmt und in manchen Branchen sogar Fachkräftemangel herrscht, befinden sich Viele in einer perspektivlosen Lage. Zahlreiche Menschen in Deutschland haben wegen Vermittlungshindernissen keine Chance auf dem ersten Arbeitsmarkt. Für sie brauchen wir einen Sozialen Arbeitsmarkt. Er soll sinnstiftende, zusätzliche Beschäftigung schaffen, von der die Gesellschaft profitiert und bei der die Interessen und Fähigkeiten der Arbeitsuchenden berücksichtigt werden.

Unser Langfristziel ist, dabei neue Erwerbschancen für Menschen mit besonders schweren Vermittlungshemmnissen zu schaffen.

 

Die Ausgestaltung von Beschäftigungsverhältnissen auf dem Sozialen Arbeitsmarkt muss sozialversicherungspflichtig, gerecht entlohnt, arbeitsmarktnah und in ein Konzept von Betreuung und Qualifizierung eingebunden sein.

Konkrete Ausgestaltung sollte bei der lokalen Ebene liegen (Know-how vor Ort nutzen, Zusammenarbeit mit regionalen Unternehmen, Kammern, Verbänden, Vereinen usw.).