Der "Wald-Wild-Konflikt" - ein altes Thema und neue Erkenntnisse

Zu seinem jährlichen Kolloquium hatte der Ökologische Jagdverein Sachsen e.V. am 13. Januar nach Tharandt hochkarätige Kompetenz geladen:

 

Prof. Dr. Christian Ammer, Inhaber des Lehrstuhls für Waldbau und Waldökologie der gemäßigten Zonen an der Georg-August-Universität Göttingen. Er ist Co-Autor einer einschlägigen Studie, die gemeinsam von Deutschem Forstwirtschaftsrat und Bundesamt für Naturschutz in Auftrag gegeben wurde.

Thomas Baader (li.) und Prof. Dr. Christian Ammer (re.)

Die Veranstaltung war gut besucht

Ein Veranstaltungsbericht von Bert Meyer, Kreisvorstand BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Erzgebirge:

Zu seinem jährlichen Kolloquium hatte der Ökologische Jagdverein Sachsen e.V. am 13. Januar nach Tharandt hochkarätige Kompetenz geladen:

Prof. Dr. Christian Ammer, Inhaber des Lehrstuhls für Waldbau und Waldökologie der gemäßigten Zonen an der Georg-August-Universität Göttingen. Er ist Co-Autor einer einschlägigen Studie, die gemeinsam von Deutschem Forstwirtschaftsrat und Bundesamt für Naturschutz in Auftrag gegeben wurde.

Allein diese Gemeinsamkeit ist nicht selbstverständlich: Während das Bundesamt nach wie vor das Ziel verfolgt, wenigstens fünf Prozent des deutschen Waldes unter Schutz zu stellen und damit der Bewirtschaftung weitgehend zu entziehen, vertritt der Forstwirtschaftsrat eher waldwirtschaftliche Interessen. Einigkeit besteht allerdings in der Wertigkeit des Waldes als schützenswertes Gut. Strittig bleibt die Methodik.

Nun mag man Professor Ammer von vornherein Befangenheit zugunsten der Forstleute und zuwider der Jägerschaft unterstellen - seine wissenschaftlich fundierte Argumentation dürfte so schnell nicht zu widerlegen sein: Zunächst stellte er die Rechtslage klar - der Gesetzgeber sieht in der forstlichen Nutzung den Schwerpunkt, der u.a. dem Erhalt der Lebensgrundlage des Wildes und damit der "Nebennutzung Jagd" dient.

Entsprechend plädierte er für ein stärkeres Selbstbewusstsein der Waldbesitzer gegenüber der Jägerschaft, die meist einen hohen Wildbestand halten möchte. Auf die dadurch entstehenden wirtschaftlichen Schäden näher einzugehen hätte den Abend gesprengt - daher nur soviel: Wollte man (theoretisch) Wildzäune für den gesamten deutschen Wald errichten, würde das rund 90 Mio € kosten. Wildzäune werden öffentlich gefördert, freilich "um den Wald zu schützen".

Nüchtern betrachtet wird der Wald nur vor dem viel zu hohen Wildbestand zugunsten der Jagd geschützt. Ohne Förderung wären die Waldbesitzer gezwungen, den "Wald-Wild-Konflikt" direkt mit den Jägern auszutragen - notfalls auf dem Rechtsweg. Das dürfte leichter gesagt als getan sein und mag als "Aufruf zum Unfrieden" gelten - und doch ist es wieder ein Beispiel für die liebgewonnene Gewohnheit, Probleme zu "vergesellschaften" anstatt konsequent das Verursacherprinzip anzuwenden. 

Beispielhaft soll an dieser Stelle ein Ergebnis der ökologischen Auswertung benannt werden: Verbissschäden führen nachweisbar zu einer Begünstigung einzelner Baumarten zu Lasten des Artenreichtums - nicht nur der Flora, sondern beispielsweise auch der Singvögel durch stark verringerte Nistmöglichkeiten. (Die oft noch schwerwiegenderen Schälschäden an größeren Bäumen konnten im Rahmen des Vortrages nicht beleuchtet werden - zum Bedauern des anwesenden Fachpublikums.) 

Schließlich wurde noch der Konflikt Jagd vs. Tierschutz angerissen: Abgesehen von den ökologischen Aspekten - ein erlegtes Wildtier dürfte immer noch ein besseres Dasein genossen haben als ein Nutztier aus der Massentierhaltung. 


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