Dr. Hartmut Kahl: Bauern und Imker atmen auf. Doch das Anbauverbot für MON 810 ist nur ein erster Schritt.

Die genmanipulierte Mais-Sorte MON 810 darf in Deutschland nicht mehr ausgesät werden. Bundeslandwirtschaftministerin Ilse Aigner begründete das von ihr erlassene Anbauverbot mit Sicherheitsbedenken, auf die Umwelt- und Verbraucherschutzverbände schon seit Jahren hingewiesen hatten. Nach wissenschaftlichen Studien, gegen deren Veröffentlichung sich der kanadische Saatgutkonzern Monsanto lange gewehrt hatte, schädigt die umstrittene Sorte nicht nur den Maiszünsler, sondern auch andere Organismen und kann nicht zuletzt eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen darstellen.

Dr. Hartmut Kahl, grüner Bundestagskandidat aus dem Erzgebirge, begrüßte die Entscheidung und bezeichnete sie als überfällig:

„Landwirte und Imker haben jetzt wieder mehr Planungssicherheit. Monsantos Lobbyisten sind mit ihrem Versuch einer gentechnisch basierten Industrialisierung der Landwirtschaft in Deutschland vorerst gescheitert. Damit dürfte auch die Rolle Ostdeutschlands als Gentech-Acker der Nation ein Ende haben.“

Mit Blick auf eine endgültige rechtliche Klärung eines Import- und Anbauverbotes für gentechnisch veränderte Sorten forderte der promovierte Völkerrechtler eine fachliche Absicherung, die dem Regelwerk der Welthandelsorganisation WTO stand hält:

„Die Bundesregierung ist jetzt in der Pflicht, gegenüber der EU-Kommission klar zu machen, dass die Sicherheitsbedenken gegen MON 810 und ähnliche Organismen eine gesundheitspolizeiliche Ausnahme vom Freihandelsprinzip der WTO rechtfertigen.“  

Noch letztes Jahr wurde Genmais der Sorte MON 810 auf einer Gesamtfläche von rund 4000 Hektar vor allem in Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern angepflanzt. Deutschland ist jetzt neben Österreich, Frankreich, Ungarn, Luxemburg und Griechenland der sechste Mitgliedsstaat der EU, der den Anbau der Sorte verboten hat.

Erst kürzlich hatte der „Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft“ in seinem Schadensbericht Gentechnik darauf hingewiesen, dass der Weltwirtschaft jährlich Schäden von mehreren Milliarden Euro durch die Verunreinigung von Reis und Mais mit nicht zugelassenen Gen-Organsimen entstünden. 

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