Erste Lücken in der Klimareihe - Fichtelberg-Wetterwarte das erste Mal nachts finster

Ulrike Kahl, Kreisvorsitzende der Erzgebirgs-GRÜNEN

In der vergangenen Woche, am 27. August 2018, blieb es nachts auf der Fichtelberg-Wetterwarte das erste Mal finster - seit dem 1. Oktober 1915!

„Durch bereits erfolgten Personalabgang sind die drei noch verbliebenen Wetterbeobachter auf dem Fichtelberg leider nicht mehr in der Lage, einen ununterbrochenen Dienst in der Wetterwarte abzusichern. Das ist höchst bedauerlich und schade, weil damit nun eine Ära zu Ende zu gehen scheint“, so Ulrike Kahl von den erzgebirgischen GRÜNEN. 

„Was keine zwei Weltkriege, kein Großbrand, keine heftigen Gewitter, Stürme oder sonstigen Witterungsunbilden da oben je vermocht haben, ist nun eingetreten. Die einmaligen, für die Forschung wertvollen Klimareihen haben somit erste Lücken bekommen.“

Um dies zu verhindern, hatten die GRÜNEN bereits im Dezember 2016 eine Petition zum Erhalt der Wetterwarte auf dem Fichtelberg gestartet und mit über 6.500 Unterstützern den personellen Weiterbetrieb der Wetterwarte gefordert. 

Wertvolle Klimadatenreihe für die Mülltonne? GRÜNE fordern Vor-Ort-Termin des Petitionsausschusses

Ende Juni des vergangenen Jahres wurde die Petition im Bundestag übergeben, doch bis heute - nach fast 15 Monaten - ist noch nicht darüber befunden worden. Auch zahlreiche Anschreiben an die Bundeskanzlerin, an  Staatssekretäre verschiedener Bundesministerien sowie an den wissenschaftlichen Beirat des Deutschen Wetterdienstes blieben unbeantwortet. 

„Offensichtlich duckt man sich in Kreisen der Entscheidungsträger vor dieser Problematik weg, denn es dürfte schwer fallen, unsere Argumente, die auch Experten stützen, zu entkräften.“
„Das Zeitfenster bis zur geplanten Vollautomatisierung ab 01.01.2019 schließt sich bald und noch immer sind auf der Wetterwarte keine funktionsfähigen Messeinrichtungen zur vollautomatischen Erfassung von Niederschlagsmenge, Schneehöhe, Wetterzustand, Sichtweite usw. installiert, so dass auch keine Vergleichsmessungen möglich sind. Damit wären die bisherigen wertvollen Messdaten, die mittels Augenbeobachtung gewonnen wurden, für die Mülltonne.“

„Wir fordern daher im Namen aller Petenten, dass die Mitglieder des Petitionsausschusses sich ihrer Verantwortung bewusst sind und alsbald zu einem Vor-Ort-Termin auf den Fichtelberg kommen. Entscheidungen vom Schreibtisch aus, so wie dies der Deutsche Wetterdienst in Offenbach praktiziert, sind hier fehl am Platze und ignorieren jegliche Realität. Gerade in Zeiten der Klimaveränderung sind zuverlässige Messergebnisse unabdingbar “, so die GRÜNE.