Erzgebirgische GRÜNE fordern überlegtes und nachhaltiges Handeln im Öffentlichen Personennahverkehr

Stefan Vogler, Kreisrat der GRÜNEN im Erzgebirgskreis

Heiko Reinhold

„Man wird den Eindruck nicht los, dass Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) nur Geld kostet“, äußert sich Kreisrat Stefan Vogler (GRÜNE) kritisch über die aktuellen Entwicklungen. So verschlechterten sich mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2011 die Bus- und Bahnangebote im Erzgebirgskreis erneut. Leistungen auf dem Netz der Erzgebirgsbahn fielen weg und Fahrten beim Regionalverkehr Erzgebirge (RVE), vor allem an Sonn- und Feiertagen, wurden gestrichen. Bereits seinerzeit kam Kritik von den Bündnisgrünen.

Dabei gibt es aber auch positive Entwicklungen: Wie aktuell eine kleine Anfrage der verkehrspolitischen Sprecherin der GRÜNEN Landtagsfraktion, Eva Jähnigen, ergab, kann die grenzüberschreitende Zugverbindung Chemnitz - Flöha - Annaberg-Buchholz – Vejprty (Zschopautalbahn) bei bislang gleichbleibenden Zugpaaren an Wochenenden eine Fahrgaststeigerung von 15 Prozent vorweisen. „Diese erfreuliche Steigerung der Fahrgastzahlen darf durch die Staatsregierung nicht gefährdet werden, die auch im neuen Haushalt die Kürzungen beim ÖPNV nicht zurücknehmen will.“ Damit blickt Vogler, auf dessen Initiative im Herbst 2010 im Erzgebirgskreis die zeitweilige Arbeitsgruppe ÖPNV eingerichtet wurde, skeptisch auf die angekündigten Entwicklungen im sächsischen Wirtschaftsministerium.

Wie die Freie Presse  berichtete, gehört die Teilstrecke Aue – Schwarzenberg - Karlovy Vary und Thalheim – Zwönitz – Aue auch zu den einstellungsgefährdeten Strecken in Sachsen.

Die letzte Reduzierung der Angebote in 2011 war notwendig geworden, da im Bereich des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) das sächsische Wirtschaftsministerium seine Zuweisungen an den Aufgabenträger Zweckverband Verkehrsverbund Mittelsachsen (ZVMS) kürzte. Der ZVMS verwendet die Mittel, um den Zugverkehr im Erzgebirgskreis und den umliegenden Kreisen zu finanzieren. Die nunmehr zur Diskussion stehende und ab 2015 zum Tragen kommende Finanzierungsverordnung für den ÖPNV (ÖPNVFinVO) legt ihren Schwerpunkt auf Fahrgastzahlen. Damit hat der ländliche Raum im Vergleich zu den sächsischen Ballungszentren ganz automatisch das Nachsehen. „Das ist ein vollkommen kurzsichtiger Weg, da dadurch die Attraktivität von Bus und Bahn im Erzgebirgskreis weiter massiv eingeschränkt wird.“, so der Sprecher des Kreisverbandes, Heiko Reinhold. 

Die von Staatsminister Sven Morlok (FDP) aufgezeigte Alternative, Züge dann durch Busse zu ersetzen, ist aus Sicht der erzgebirgischen Bündnisgrünen nicht realisierbar. Dazu Vogler: „Wer die Topographie bei uns im Erzgebirge kennt, weiß, dass in den Flußtälern der Bus mit dem Zug in Punkto Schnelligkeit und Komfort nicht mithalten kann. Gerade während des Schienenersatzverkehrs mit Bussen im Frühjahr hatten wir auf der Zschopautalbahn Reisezeitverlängerungen bis zu einer Stunde.“ In der ganzen Debatte um die Kürzung finanzieller Mittel fordert er: „Statt einfach nur Angebote zu streichen, sollten wir uns mehr Gedanken über Anruflinienbusse oder die sinnvolle Verknüpfung von Bus und Bahn machen. Leider passiert das noch viel zu selten.“ In anderen Regionen lässt sich damit Geld sparen und dennoch ein sinnvolles Grundangebot erhalten, erläutert Vogler und führt den Landkreis Meißen als Beispiel an. Vor diesem Hintergrund sei eine intensivere Zusammenarbeit des ZVMS und des Landkreises dringend notwendig. „Es macht ja keinen Sinn, wenn Busse keinen Anschluss an Züge haben, die die Fahrgäste weiter bringen. Derzeit geben wir Geld für beides aus, schaffen aber kein abgestimmtes Angebot und gewinnen so keine Fahrgäste.“

Trotz des geschaffenen Gremiums der Arbeitsgruppe ÖPNV findet bis jetzt keine umfassende Abstimmung statt. Neben dieser politischen Botschaft liegt es an den Menschen im Erzgebirgskreis selbst: Einfach öfters einmal den Zug und Bus nutzen und sich von den Vorteilen gegenüber dem Pkw überzeugen.