Erzgebirgs-GRÜNE mahnen sensibleren Umgang mit historischer Gebäudesubstanz an und wollen Denkmal-Stammtische initiieren

Wolfram Günther, Landtagsabgeordneter der GRÜNEN

Wie eine erneute Kleine Anfrage des für Denkmalschutz zuständigen Abgeordneten Wolfram Günther von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im sächsischen Landtag ergab, liegen derzeit für 25 Kulturdenkmale im Erzgebirgskreis Abriss- bzw. Teilabrissgenehmigungen vor. Im Raum Aue-Schwarzenberg betrifft dies z. B. ein Marktgebäude in Eibenstock, Baumfällungen auf dem Trinitatisfriedhof in Schneeberg und auch die Scheune der „Langen Villa“ in Aue. 

Für fünf weitere denkmalgeschützte Objekte im Kreisgebiet wird derzeit der Abriss beantragt. So ist unter anderem auch die Zukunft von Wohngebäuden in Aue auf der Wettiner Straße (Nr. 2a und 4) ungewiss.

Insgesamt sind in den beiden zurückliegenden Jahren wieder 35 Kulturdenkmale im Kreis unwiederbringlich verloren gegangen., darunter das Hammerherrenhaus in Schönheide oder eine Villa in Grünhain-Beierfeld.

„Leider zeigt sich auch unsere Region meist nur am „Tag des offenen Denkmals“ als Bewahrer und Hüter einer sehr fragwürdigen Denkmalkultur. Denn für den Rest des Jahres setzen wir die Schlacht gegen die alten Häuser, die meist nur als Schandflecke wahrgenommen werden, unvermindert fort.

So verschwinden allmählich ohne große Schlagzeilen - auch aufgrund einer mangelnden Lobby und eines Dranges nach „Ordnung und Sauberkeit“ - immer mehr historische Bauten, wie Wohnstallhäuser, Bahnhofsgebäude oder alte Fabriken und Geschäftshäuser aus dem Ortsbild und letztlich auch aus unserem Gedächtnis. Das Erzgebirge wird damit - und das meist noch durch staatliche Fördermittel - sukzessive seiner Identität beraubt.

Wir GRÜNE appellieren daher sowohl an Bürger als auch an Entscheidungsträger, diesen Abrisstrend zu stoppen und plädieren für einen sensibleren Umgang mit den Zeugnissen unserer Vergangenheit“ so Ulrike Kahl, Kreisvorsitzende der GRÜNEN.

„Da aber auch etliche Bürger den Verlust unserer Kulturzeugnisse ebenso kritisch betrachten und uns in der letzten Zeit diesbezüglich viel Zustimmung signalisiert wurde, möchten die GRÜNEN Denkmal-Stammtische initiieren. Jene sollen Gleichgesinnte zusammenführen, denen es wichtig ist, das baugeschichtliche Vermächtnis unserer Heimat bewahren zu helfen.“