Freimauererloge in Aue: Abriss ist keine Politik. Mit jedem Denkmal geht Kulturerbe unserer Heimat verloren.

Um auf den drohenden Abriss von immer mehr Baudenkmalen im Erzgebirge aufmerksam zu machen, errichteten Mitglieder der GRÜNEN am Donnerstag, den 12. Juli ein Banner am Gebäude der ehemaligen Freimauererloge in Aue mit der Aufschrift: "Abriss ist keine Politik. Mit jedem Denkmal geht Kulturerbe unserer Heimat verloren."

Bereits einen Tag zuvor, am 11. Juli, hatten sich die Erzgebirgs-GRÜNEN auf ihrer Mitgliederversammlung zum Thema Denkmalschutz mit dem vom Abriss bedrohten Gebäude befasst:

Die Große Kreisstadt Aue fällt besonders mit dem Abriss historisch und stadtgeschichtlich wertvoller Architektur auf. Der drohende Abriss des Gebäudes der Freimaurerloge „Zu den drei Rosen“, welches aus der DDR als Clemens-Winkler-Club“ bekannt ist, ist nur das aktuelle Beispiel für eine an Ideenlosigkeit schwer zu übertreffende Stadtentwicklungspolitik, die diesen Namen eigentlich nicht verdient.

Schon der stereotype Sprachgebrauch, der in städtischen Verlautbarungen und leider auch in der Presseberichterstattung fast nichts anderes kennt, als von „Schandflecken beseitigen“ und „Ordnung machen“ zu sprechen, offenbart einen eklatanten Mangel an Bewusstsein für die historische und zukünftige Bedeutung des baukulturellen Erbes für Stadt und Bürgerschaft von Aue.

Neben dem gelungen Engagement anderer westerzgebirgischen Städte wie Annaberg, Schwarzenberg und Schneeberg in Hinsicht auf Stadtentwicklung und Kulturlandschaft droht der Großen Kreisstadt Aue der völlige Abstieg in die überregionale Bedeutungslosigkeit.

Was in Schneeberg mit dem Museum für Erzgebirgische Volkskunst lange Tradition hat, was Schwarzenberg mit seinem z. T. neu konzipierten Schlossmuseum und was Annaberg mit der „Manufaktur der Träume“ errang, steht in Aue noch vollständig aus: eine kulturelles Angebot und Höhepunkt zu schaffen, der auf Augenhöhe mit den Nachbarstädten ist und zugleich einen touristischen Anlaufpunkt bildet.

Dabei hat Aue mit den Zeugnissen seiner bedeutenden Industriegeschichte, seiner Jugendstil- und Industriearchitektur beste Voraussetzungen für einen eigenständigen Beitrag in der Kultur- und Museumslandschaft des Erzgebirges.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Erzgebirge schlagen vor, das Gebäude der Freimaurerloge „Zu den drei Rosen“ zu einem städtischen Museum mit dem Schwerpunkt der industriellen Geschichte der Stadt und der Region zu entwickeln.

Mit dem Namen der Stadt Aue verbinden sich Firmen wie August Wellner, Kurt Bauer, Blema-Kircheis, Ernst Geßner / Textima, Wäschefabrik S. Wolle, Auerhammer / Argentanfabrik Geitner und nicht zuletzt die Jahrhunderte währende Geschichte des Blaufarbenwerkes / Nickelhütte Aue.

Diese Geschichte wartet auf ihre Erschließung und Präsentation. Aue könnte sich damit ganz unverwechselbar zwischen den Museumsangeboten der Nachbarstädte platzieren – zum Gewinn für die Bürger und die Gäste der Stadt. Und ein Gebäude von großer stadtgeschichtlicher und kultureller Bedeutung würde eine adäquate Nutzung erfahren.