Geplanter Rechenhausbrücken-Abriss: Das erste Mal würde in Sachsen ein Denkmal als Ausgleichsmaßnahme geopfert

Volkmar Zschocke, Landtasabgeordneter der GRÜNEN, befragte die Staatsregierung zur Rechenhausbrücke

Aufgrund des geplanten Abrisses der Rechenhausbrücke bei Albernau, die unter der Bürgerschaft heftig umstritten ist, wandte sich der für das Erzgebirge zuständige Landtagsabgeordnete der GRÜNEN, Volkmar Zschocke, wiederholt mit einer Kleinen Anfrage an die Staatsregierung.

In der Antwort des Innenministeriums auf Nachfrage Zschockes musste Minister Wöller nun einräumen, dass ihm kein weiteres Beispiel aus Sachsens Geschichte bekannt ist, wonach ein Kulturdenkmal als Kompensationsmaßnahme im Zuge baulicher Eingriffregelungen abgerissen werden musste.

Im Planfeststellungsbeschluss war lediglich festgelegt worden, dass das Brückendenkmal zu dokumentieren sei. Diese Dokumentation ist nach Aussage der Staatsregierung nunmehr erfolgt und liegt der unteren Denkmalbehörde vor.

Zudem verlangte der GRÜNE Landtagsabgeordnete Auskunft darüber, was mit den Materialien des Denkmals geschehen soll und was als aufbewahrungswürdig erachtet wird.

Nach Aussage der Staatsregierung sollen lediglich 180 m³ von insgesamt 740 m³ der roten, behauenen Granitsteine einer Wiederverwendung vor Ort zugeführt werden, der Rest soll entsorgt werden.
Auf die Nachfrage des Landtagsabgeordneten, wie die Eingriffsintensität in Natur- und Umweltbelange durch den angedachten Brückenabriss in dem geschützten FFH-Gebiet verringert werden kann, zeigt sich die Landesregierung davon überzeugt, dass aufgrund des Denkmalabrisses und des schlanken Neubaus nunmehr eine ökologische Verbesserung der Verbundbeziehungen im Talraum und an den Talrändern eintritt, die das alte Bauwerk unterbunden habe.

Ulrike Kahl, Kreisrätin von Bündnis 90/Die Grünen bezieht folgendermaßen dazu Stellung:

„Es wäre ein Novum und käme einem Skandal gleich, wenn - wie im reizvollen Muldental beabsichtigt -   im Freistaat Sachsen ein Kulturdenkmal als Ausgleichsmaßnahme für den Brückenneubau geschliffen wird. Die Entscheidungsträger machen damit deutlich, wie wenig ihnen - im Gegensatz zu vielen Bürgerinnen und Bürgern -  an den kulturgeschichtlichen Zeugnissen der Region wirklich liegt. Das lässt sich auch nicht dadurch kaschieren, dass man sich in Talkshows oder patriotischen Sonntagsreden zum Denkmal- und Heimatbewahrer aufschwingt  oder verdienstvollen Denkmalschützern einen Orden an die Brust heftet. Beweisen kann man das nur in der Praxis. Der Erhalt der Rechenhausbrücke wäre ein Exempel dafür, mit Glaubwürdigkeit zu punkten.“

„Die obere Denkmalbehörde hatte bereits in den Vorplanungen darauf hingewiesen, dass ein Abbruch der alten Brücke einen schwerwiegenderen Eingriff in die Natur darstelle, als die Beibehaltung des in die umgebenden Biotope eingewachsenen Denkmals. Dabei ist die Fauna im dortigen Abschnitt des Muldentales sehr artenreich, gerade verschiedenen Fledermausarten wie Breitflügelfledermaus oder Abendsegler bietet das historische Brückenbauwerk mit seinen Fugen und Nischen einen optimalen Lebensraum, der im Falle des Abrisses nicht zu kompensieren ist. Der von der Staatsregierung beschworene positive ökologische Effekt wird sich ins Gegenteil verkehren“, ist die GRÜNE und mit ihr viele Naturschützer und Bürger überzeugt.