Gewerbegebiet Zschorlau: Erzgebirgs-GRÜNE rufen Bevölkerung zum Widerspruch auf

Hier plant die Gemeinde Zschorlau die Errichtung eines weiteren Gewerbegebietes

In der vergangenen Woche hat sich der Kreisverband Erzgebirge von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zusammen mit der Bürgerinitiative Gewerbegebiet Zschorlau und dem BUND Sachsen in einem gemeinsamen Protestbrief an alle Haushalte direkt an die Bürgerinnen und Bürger von Zschorlau gewandt.

In ihrem offenen Brief fordern die Organisationen die Zschorlauer auf, die in der Bevölkerung zahlreich vorhandenen Vorbehalte gegen die Erweiterung des Gewerbegebiets bei der Gemeindeverwaltung Zschorlau schriftlich vorzutragen und Einsicht in die Planungsunterlagen zu verlangen. Noch bis zum 20. April 2010 liegen diese zur Einsicht für Jedermann im Rathaus aus:

 

Liebe Zschorlauer Bürgerinnen und Bürger,

seit dem vergangenen Jahr beschäftigen sich die Gemeindeverwaltung, der Gemeinderat, aber auch übergeordnete Behörden und die Öffentlichkeit mit der Planung eines neuen Gewerbegebietes in Zschorlau. 

Wir sehen dieses Vorhaben sehr kritisch. Nicht etwa, weil wir grundsätzlich gegen Gewerbegebiete sind, sondern weil uns das vorgesehene Areal für den neuen Gewerbestandort aus Gründen des Naturschutzes, der Bewahrung der Schöpfung, nicht akzeptabel erscheint.

Daneben birgt das Vorhaben für die Gemeinde Zschorlau und für potentielle Nutzer der Gewerbeflächen enorme finanzielle und wirtschaftliche Risiken.

Wir möchten Sie hiermit ermutigen, sich über das Vorhaben zu informieren: ab sofort bis Dienstag, den 20. April 2010 liegen die Planungsunterlagen zur Einsicht für Jedermann im Rathaus aus.

Außerdem können Sie Ihre Bedenken, Meinungen und Hinweise in das Planungsverfahren einbringen, indem Sie sich schriftlich an die Gemeineverwaltung wenden.

Wir möchten Ihnen im Folgenden einige Gründe darlegen, warum wir denken, dass dieses Vorhaben mehr Schaden verursacht, als Nutzen einbringt:

• Das Vorhaben liegt außerhalb der Ortsbebauung und verbraucht unberührte Naturflächen. Im Gebiet der Bebauungsflächen hat sich eine reichhaltige Tierwelt, insbesondere seltene und geschützte Vogelarten angesiedelt, deren Lebensraum zerstört oder beeinträchtigt würde.

• Das Planungsgebiet ist besonders schutzwürdig, da es sich um einen Bestandteil des ehemaligen Standortübungsgeländes der Bundeswehr handelt, der sich durch die unterlassene Nutzung der vergangene Jahrzehnte zum größten Offenlandbiotop des Erzgebirges entwickelt hat. Alle anderen ehemaligen Armeeflächen wurden vom Landratsamt unter Schutz gestellt, nur die Planfläche wurde aus diesem Schutz willkürlich herausgelassen.

• Das Plangebiet befindet sich inmitten des Neustädtler Altbergbaugebietes mit ungewissen Risiken in Bezug auf Altbergbaulasten. Auf diese hat das sächsische Oberbergamt ausdrücklich hingewiesen. Obwohl in der Gemeindeverwaltung, wie auch im Oberbergamt bekannt ist, dass in diesem Gebiet alte Bergbauanlagen vorhanden sind, würden konkrete Untersuchungen erst dann veranlasst, wenn der spätere Grundstückseigentümer einen Bauantrag stellt. Das finanzielle Risiko der Nichtnutzbarkeit des Grundstückes trägt zuerst der Gewerbetreibende. Kann das Gewerbegebiet aber nicht genutzt werden, droht auch der Gemeinde die Rückzahlung der Fördermittel.

• Dabei ist die Notwendigkeit einer Neuausweisung eines Gewerbegebietes in keiner überzeugenden Weise nachgewiesen. Die Angaben der Gemeindeverwaltung verweisen nur auf bloße Interessenbekundungen einheimischer Gewerbetreibender, die jedoch durch keinerlei nachweisebare und überprüfbare Fakten belegt wurden.

• Viele Angaben im Vorentwurf des Bebauungsplanes waren offenkundig falsch: beispielsweise wurde ausgeführt, dass das schon vorhandene Gewerbegebiet vollständig belegt sei. Dem entgegen steht die Tatsache, dass sowohl die Gemeinde als auch der Freistaat Sachsen, als auch private Eigentümer, Grundstücke im alten Gewerbegebiet zum Verkauf anbieten. Darüber hinaus gibt es in praktisch allen angrenzenden Gemeinden zum Teil sehr große Gewerbegebiete, welche nur teilweise belegt sind.