Giegengack: „Ein Frühling ohne Schmetterlinge? Der Verlust an biologischer Vielfalt ist auch im Erzgebirge spürbar“

Annekathrin Giegengack, Mitglied des Sächsischen Landtags

Der 03. März steht traditionell im Zeichen des Artenschutzes. Seit 1976 ist er auch in der Bundesrepublik Deutschland ein festes Datum – das nach 35 Jahren nichts an Aktualität eingebüßt hat.

Annekathrin Giegengack, Abgeordnete der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, sieht die biologische Vielfalt im Erzgebirge massiv bedroht.

„Gerade im Frühjahr zeigt sich: Der Verlust an biologischer Vielfalt ist spürbar. Viele Tagfalter und Schwärmer, wie der Hochmoor-Gelbling, sind vom Aussterben bedroht oder gelten bereits als ausgestorben.  Auch Sonnentau und bestimmte Moosarten, wie das Firnisglänzende Sichelmoos, die als wichtige Bioindikatoren gelten, kommen nur noch an ganz wenigen Standorten, wie beispielsweise im NSG der Hermannsdorfer Wiesen, vor. Mittlerweile sind sogar Nutztiere wie Bienen eine gefährdete Art – und die Zahl der vom Aussterben bedrohten Arten wächst ständig.“

Als Ursachen führt die Landtagsabgeordnete unter anderem die industrielle Landwirtschaft und die stetig steigende Flächenversiegelung ins Feld. „Immer wieder gibt es Bauvorhaben, wie die Erweiterung des Gewerbegebietes in Zschorlau, das auf dem größten Offenlandbiotop des Erzgebirges entstehen  soll oder die jüngst bekannt gewordenen Pläne zum Bau eines riesigen Sozial- und Therapiezentrums auf einer geschützten Bergwiese in Sosa. Auch die Verkehrskonzepte der Region, wie beispielsweise die geplanten Ortsumgehungen in Lauter und Thalheim oder angedachte Großtrassen wie  B 93n oder Erzgebirgsschnellweg würden in erheblichen Maße zur Zerstörung der natürlichen Lebensräume unserer Flora und Fauna beitragen.

Daher gibt es auch im Erzgebirge zum 35. Tag des Artenschutzes keinen Grund zur Freude. Machen wir uns daher erneut bewusst, dass auch unsere eigene Lebensqualität und letztendlich unser eigenes Überleben zur Disposition stehen.“

Seit Jahren macht sich die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag für Biodiversität und Artenschutz stark. Annekathrin Giegengack erinnert deshalb auch an die Verantwortung der Staatsregierung: „Das Land Sachsen muss die ökologische Landwirtschaft und gentechnikfreie Zonen gezielt fördern. Außerdem ist der Freistaat aufgefordert, zuverlässig und in stärkerem Umfang als bisher, engagierte Naturschützer sowie Umwelt- und Landschaftspflegeverbände  zu unterstützen. Denn sie sind es,  die sich der Pflege der Naturreserven im Erzgebirge annehmen.“


Hintergrund: 

Der Tag des Artenschutzes geht auf das Washingtoner Artenschutzübereinkommens CITES aus dem Jahr 1973 zurück. Es ist eines der bedeutendsten internationalen Naturschutzabkommen. 1975 in Kraft getreten, trat auch die Bundesrepublik Deutschland dem Abkommen 1976 bei.