GRÜNE begrüßen Umdenken der Staatsregierung: Wirtschaftsministerium plädiert wegen Klimawandel für Abkehr von einseitigem Wintertourismus

Ulrike Kahl, Kreisvorsitzende der Erzgebirgs-GRÜNEN

In den vergangenen Monaten wurden in der Region kontroverse Debatten über die Frage geführt, ob sich in Anbetracht des Klimawandels weitere Investitionen in sächsische Skigebiete wirtschaftlich noch rentieren. Vor diesem Hintergrund wandte sich der Fraktionsvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Landtag, Volkmar Zschocke, mittels einer Kleinen Anfrage an die Sächsische Staatsregierung. Denn diese hatte in den letzten Jahren eine Studie zu den Auswirkungen des Klimawandels im sächsisch-böhmischen Grenzraum in Auftrag gegeben, die sogenannte INTERKLIM-Studie.  

Staatsregierung plädiert für Abkehr von einseitiger Ausrichung

Auf die Frage, welche Schlüsse der Freistaat aus den Ergebnissen der Klimastudie in Bezug auf die Entwicklung des Tourismus in sächsischen Mittelgebirgen zieht, gibt das Wirtschaftsministerium (SMWA) folgende Antwort: 

„Die Tourismuspolitik in Sachsen hat die Folgen des Klimawandels für den Wintertourismusanalysiert und stellt insbesondere in den betroffenen Destinationen permanent Überlegungen an, wie Anpassungsstrategien entwickelt werden können. 

Die durch Klimamodelle projizierte Erwärmung zwingt die vom schnee- und frostgebundenen Wintersport wirtschaftlich profitierenden Destinationen dazu, einseitige, witterungsabhängige Angebote zu reduzieren und diversifizierte touristische Angebote zu entwickeln, damit sie konkurrenzfähig bleiben.“

Zur Frage des GRÜNEN-Politikers, welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Förderpraxis der Staatsregierung haben wird, weist diese auf die Änderung des EU-Beihilferechts hin, wonach sich auf dem Tourismussektor die Zuwendungsvoraussetzungen seit dem vergangenen Jahr gravierend geändert haben. Speziell bei Maßnahmen für Alpinski müssten die potentiellen Antragsteller in jedem Einzelfall den hochgradig zeit- und arbeitsaufwändigen Weg der Einzelnotifizierung bei der EU-Kommission einschlagen.

Keine Fördermittelanträge in Bearbeitung

Nach Aussage der Landesregierung befinden sich in den Bewilligungsstellen derzeit keine Fördermittelanträge für Seilbahnen, Skilifte, Beschneiungsanlagen sowie andere geplante Investitionen in die Wintersport-Infrastruktur in Bearbeitung.

GRÜNE fordern: Erzgebirgs-Tourismus auf breitere Füße stellen

Die Kreisrätin und Vorsitzende der GRÜNEN im Erzgebirgskreis, Ulrike Kahl, äußert sich dazu folgendermaßen:

„Auch der sächsischen Staatsregierung ist - im Gegensatz zu manchem kommunalen Verantwortungsträger - sehr wohl bewusst, dass weitere Investitionen der öffentlichen Hand in alpine Ski-Infrastruktur fehlgeleitete Gelder sind und alle Anstrengungen auf eine touristische Kompensation hin zum Ganzjahrestourismus gerichtet sein müssen. Seit langem fordern wir GRÜNEN entsprechende Anpassungsaktivitäten, da veränderte Schnee- und Temperaturbedingungen in unseren klassischen Wintersportregionen sonst große Einbußen und Verwerfungen in der Tourismusbranche zur Folge haben werden und die Konkurrenzfähigkeit der Region auf dem Spiel steht.“

„Zum Umsteuern sind moderne Konzepte und zeitgemäße Angebote für Erholungssuchende, Familien und Wanderer gefragt. Authentizität, Naturnähe und Ursprünglichkeit sind in den Augen der GRÜNEN wichtige zukunftsträchtige Aspekte, um das auch kulturhistorisch besondere Urlaubsziel ERZGEBIRGE aufzusuchen. Als Reiseregion müssen wir uns in umfassender Weise mit dem Leitbild eines nachhaltigen Tourismus identifizieren und dieses auch umsetzen. Die Entwicklung von naturtouristischen Angeboten gehört ebenso dazu wie innovative Mobilitätslösungen. 

Es wäre wünschenswert, wenn sich künftig auch das Erzgebirge mit dem Titel „Nachhaltige Tourismusregion“ vermarkten könnte, um damit gleichzeitig das Interesse einer neuen Besucherklientel zu wecken“, so die GRÜNE Kommunalpolitikerin.