GRÜNE: Die Stadt Lauter setzt auf's falsche Pferd

Uwe Kaettniß, Kreisvorstandsmitglied der GRÜNEN

In den vergangenen Tagen sind in der Tagespresse mehrfach Artikel, Meinungsäußerungen und Berichte zu Vorschlägen von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zur Verkehrsentlastung auf der Bundesstraße 101 in der Ortslage Lauter erschienen.

Der Vorstand des Kreisverbandes Erzgebirge erklärt hierzu:

Wir bedauern sehr, dass die von einem renommierten Büro für Verkehrsplanung erarbeiteten und vom Kreisverband BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vorgestellten Lösungsansätze für eine Verbesserung der Verkehrssituation in der Ortslage Lauter bei Bürgermeister und Stadtrat keine positive Aufnahme fanden.

Wir respektieren dies jedoch, denn Bürgermeister und Stadträte als gewählte Vertreter der Lauterer Bürgerschaft müssen selbstverständlich in eigener Verantwortung zu Lösungen für die Probleme ihrer Gemeinde finden.

Allerdings sind wir der Auffassung, dass weder Bürgermeister noch Stadtrat angemessen und verantwortungsvoll mit den Vorschlägen umgegangen sind. Bei der Vorstellung und Beratung der Vorschläge wurden weder das Planungsbüro noch BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN einbezogen. Bürgermeister Kunzmann, der schon vorab erklärte, den Vorschlägen kritisch gegenüber zu stehen, gab den Stadträten lediglich eine Kurzübersicht der Vorschläge, um dann zur weiteren Verfolgung des Projektes des sogenannten Erzgebirgsschnellweges überzugehen. Dieses Variantenspiel für eine Ortsumgehung von Lauter wird erklärtermaßen von der Bundesregierung als Bauherr und Bauauftraggeber genauso abgelehnt wie von der sächsischen Landesregierung. Eine Realisierung ist aus mehreren Gründen ausgeschlossen. Die wichtigsten davon sind der Trassenverlauf durch europäische Naturschutzgebiete, die Unfinanzierbarkeit durch die kontinuierlich schrumpfenden Finanzmittel für den Bundesstraßenbau in den nächsten Jahren sowie die auch durch die sächsische Staatsregierung bezweifelte verkehrslenkende Wirkung.

Lauter setzt auf's falsche Pferd:

Weder die Freien Wähler als Initiatoren des Erzgebirgsschnellweges, noch der Bürgermeister, noch der Stadtrat insgesamt sind offenbar willens diese objektiven Rahmenbedingungen wahrzunehmen und zu akzeptieren. Die Selbstverliebtheit in ihr Lieblingsprojekt hat zu einem Realitätsverlust geführt, der jede alternative Lösung für die unzweifelhaft vorhandenen Probleme der Anlieger der Bundesstraße 101 in Lauter behindert.

Angesichts des Umstandes, dass der Bürgermeister der Stadt Lauter in dieses Amt gewählt wurde, weil er ein engagierter Vertreter der „Bürgerinitiative gegen die Ortsumfahrung Lauter“ war, heute jedoch einer der vehementesten Befürworter einer ökonomisch und ökologisch unverantwortlichen Umgehungsvariante ist, möchten wir ihn an seinen Wählerauftrag erinnern.

Sollten Bürgermeister und Stadtrat weiterhin den „Erzgebirgsschnellweg“ vorantreiben wollen, werden wir auch in Zukunft mit Nachdruck darauf hinweisen das dieses Projekt keine Chance auf Realisierung hat.

In der jetzigen Situation läuft die Stadt Lauter Gefahr, dass statt der verkehrlich effizienten, finanziell überschaubaren und zeitnah umsetzbaren Vorschläge von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN überhaupt keine Entlastungsmaßnahmen in Angriff genommen werden und somit die Lauterer Bürger, die privaten und gewerblichen Anlieger mit dem belastenden Zustand der Verkehrssituation auf Jahre weiterleben müssen. 

Jede Verkehrslösung muss eine Lösung für ALLE Verkehrsteilnehmer sein:

Leider zeichnet sich in allen vorgebrachten Kritiken an den Vorschlägen zur Verbesserung der Verkehrssituation in Lauter eines ab: alle Kritiker betrachten die heutige Situation ausschließlich mit den Augen der Autofahrer, erörtern dabei, ob es für diese schneller oder langsamer, bequemer oder unbequemer geht. Wir sind nicht bereit, dieser Betrachtungsweise zu folgen. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN vertreten einen umfassenden Mobilitätsbegriff. Jede Verkehrslösung muss eine Lösung für alle Verkehrsteilnehmer und für die vom Verkehr betroffenen Anwohner sein. Solche Lösungen lassen sich nur durch Kompromisse finden. Deshalb können und dürfen die berechtigten Belange der Autofahrer nicht der alleinige Maßstab für Entscheidungen sein. Wenn die Anwohner der B101, wenn Kinder und alte Menschen mit dem Verlust ihrer Lebensqualität für den schnellen Verkehrsfluss der Autofahrer bezahlen sollen, lehnen wir das ab.

Im Interesse der Lauterer Bürger, der Fußgänger und der Autofahrer, fordern wir dazu auf, gemeinsam nach realistischen und verantwortbaren Lösungen zu suchen. Wir sind gesprächsbereit.

Siehe dazu auch:

 

  • GRÜNE stellen Verkehrskonzept für Lauter vor (01.03.2011)
  • >Tempo 30 macht Verkehr sicherer - Dedores ist auf dem Holzweg (18.03.2011)