GRÜNE fordern nachhaltige touristische Zukunftsstrategien - Verdrängungswettbewerb um Skitouristen kann nur verloren werden

Ulrike Kahl, Kreisvorsitzende der Erzgebirgs-GRÜNEN

Zum Beschluss des Oberwiesenthaler Stadtrates, die Planungen für einen neuen Achter-Sessellift mit Investitionsvolumen von 8,5 Millionen Euro am Fichtelberg zu forcieren, äußern sich BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Erzgebirge folgendermaßen:

"Wie zum Trotz ignorieren die Entscheidungsträger am Fichtelberg, dass auch im Erzgebirge die Winter wärmer, Schnee- und Frosttage immer spärlicher werden. Kann man den Skitourismus in Zukunft aufrecht erhalten, auch wenn nicht mehr genügend Schnee fällt? Ob man in fünfzehn oder zwanzig Jahren auf dem Fichtelberg überhaupt noch Skifahren kann, ist ungewiss. Dabei ist auch die künstliche Schneesicherheit wegen ihrer enormen Kosten zum wirtschaftlichen Misserfolg verdammt", so Ulrike Kahl, Kreisvorsitzende der GRÜNEN im Erzgebirge.

"In etlichen Wintertourismusgebieten innerhalb und außerhalb Deutschlands berät und streitet man unterdessen über Zukunftsstrategien. Man sucht nach Lösungen, wie Wintersportorte neue Einnahmequellen und Touristen jenseits des Skisports erschließen können.

Nicht so in Oberwiesenthal: Da werden vergilbte Pläne aus der Schublade geholt, um mit Millionensummen die letzte Runde einzuläuten, damit durch neue Anlagen bis zu 3400 Personen pro Stunde auf den Berg befördert werden können.

Die Verantwortungsträger am Fichtelberg ignorieren neben dem Klimawandel ebenso geflissentlich, dass die Skiindustrie seit langem stagniert, der Skimarkt bereits vor ein paar Jahrzehnten seinen Zenit überschritten hat. Das Rennen um die seit Jahren gleichbleibende Anzahl von Wintertouristen in ganz Europa mündet hierbei in immer unsinnigere Investitionen und damit in einen nicht zu gewinnenden Verdrängungswettbewerb. Die Liftbetreiber werden letztlich am staatlichen Tropf hängen, weil sich die enormen Kosten nicht an die Touristen weiterreichen lassen.

Anstatt weiter aufzurüsten, wäre es an der Zeit, umzudenken und neue Wege einzuschlagen.

Wir GRÜNEN halten es wirtschaftlich wie ökologisch sinnvoller, in Konzepte für einen sanften Tourismus zu investieren, um damit auch im Sommer mehr Gäste anzulocken. Diese Option jedoch macht man zunichte, wenn durch neue, gigantische Lifte, Flutlicht- und Beschneiungsanlagen die Landschaft verunstaltet wird. Aus diesem Grund sollten die Folgen des Skitourismus so nüchtern und sachlich wie möglich betrachtet und nach Kompromissen zwischen Vergnügen und Verantwortung gesucht werden. Mit immer neuen, technischen Wintersportanlagen riskieren wir, unser touristisch höchstes Gut, die Schönheit und Natur unserer Erzgebirgslandschaft zu verspielen, zumal gerade dies - gepaart mit Ruhe und Erholung - von den meisten Urlaubern in gestresster Zeit geradezu ersehnt wird.

Deshalb wäre es sowohl für Natur und Steuerzahler wünschenswert, wenn man auch am Fichtelberg die Zeichen der Zeit erkennen und den Wandel hin zu einem nachhaltigen und naturverträglichen Tourismus einläuten würde".