GRÜNE: Kritik am Auer Denkmalschutz ist grundsätzlicher Natur

Uwe Kaettniß, Kreisvorstandsmitglied der GRÜNEN und gebürtiger Auer

Anfang Juli errichteten Mitglieder der GRÜNEN in Aue ein Banner an der vom Abriss bedrohten Freimaurerloge

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Erzgebirge kritisieren aufgrund der jüngsten Äußerungen von OBM Kohl und seiner Sprecherin weiter die Denkmalschutzpolitik der Stadt Aue.

Dazu Uwe Kaettniß, Mitglied im Kreisvorstand der Erzgebirgs-GRÜNEN und gebürtiger Auer:

"Der Oberbürgermeister geht fehl in der Annahme, dass sich unsere Kritik allein auf den momentan diskutierten Abriss der ehemaligen Freimaurerloge bezieht. Das Gebäude war nur der aktuelle Anlass für unsere Kritik, aber nicht die alleinige Ursache. Vielmehr stellen wir fest, dass die Stadt Aue seit Jahren insgesamt keinen angemessenen Umgang mit ihren Kulturdenkmälern findet. Das zeigen Fälle wie der massive Abriss von Gründerzeithäusern in der Auer Neustadt, der Umgang mit dem Hauptbahnhof, der ehemaligen kaufmännischen Berufsschule auf dem Zeller Berg sowie dem alten Fischkontor.“

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Erzgebirge halten die von OBM Kohl über lange Jahre verfolgte Politik der Abrissbirne zudem für gescheitert. Denn trotz des Abrisses vieler Gebäude ist es der Stadt nicht gelungen, aus den angeblichen Schandflecken blühende Landschaften zu machen. Stattdessen finden sich über die ganze Stadt verteilt wild wuchernde Brachflächen, die erst recht als eine "Störung des Stadtbildes" anzusehen sind. Das zeigt sich beispielsweise am ungepflegten Bahnhofsgelände und verschiedenen Flächen in der Auer Neustadt.

In Hinblick auf die angekündigten Schritte das Wellner-Fabrik-Gebäude betreffend, äußert sich Uwe Kaettniß wie folgt:

"Die Bemühungen sind zunächst zu begrüßen und ein erster Schritt. Allerdings bleibt abzuwarten, was angesichts der Prüfung einer Bodenkontaminierung dabei heraus kommt. Zur kritisieren ist aber auch hierbei das Verfahren: Warum bezieht Herr Kohl seine Bürger bei entsprechenden Vorhaben nicht viel früher ein? Stattdessen schweigt er jahrelang, um auf Druck von Außen plötzlich fertige Pläne aus der Schublade zu holen.

Eine gute Stadtplanung funktioniert dann am besten, wenn man mit den Bürgern frühzeitig in Dialog tritt. Die Diskussion von Konzepten mit den Bürgern darf nicht als Belastung wahrgenommen werden, sondern als Möglichkeit, neue Ideen für Nutzungskonzepte zu entwickeln.

Viel zu oft wird nach dem Motto gehandelt: "Uns im Rathaus fällt keine Nutzung ein, darum wird abgerissen." Stattdessen bedarf es jedoch einer breiten Diskussion und der Aktivierung der Bürgerschaft. Der Ideenhorizont der Stadt darf nicht auf Fördermittel und private Investoren beschränkt sein. Andere Kommunen machen längst vor, dass es auch innovativere Ansätze gibt, um etwas zu bewegen: dazu zählen Möglichkeiten wie Public Private Partnership oder die Konzepte des „Wächterhauses“, mit dem beispielsweise Chemnitz in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht hat.

Für eine nachhaltige Stadtentwicklung muss man es auch ertragen können, nicht binnen kurzer Zeit einen Investor an der Hand zu haben und dennoch - anstatt in den Abriss - zunächst in die Erhaltung im Ist-Zustand zu investieren." 

Die Erzgebirgs-GRÜNEN werfen zudem die Frage auf, warum es frühere Generationen trotz wirtschaftlich und finanziell schwierigerer Rahmenbedingungen geschafft haben, die Kulturdenkmale unserer Heimat zu erhalten, heute hingegen meist vor den damit verbundenen städtebaulichen Herausforderungen resigniert wird.

Kritik übt der Kreisverband der GRÜNEN zudem an den Wortmeldungen der Stadt Aue. Dazu Uwe Kaettniß: "Die Denkmalschutzdebatte ist keine, die sich für so schlichte Polemik eignet, wie sie von OB Kohl auf die grüne Kritik an seiner Stadtentwicklung hin zu hören ist (Freie Presse vom 20.07.2012). Sondern es bedarf eines ernsthaften Dialogs mit der Auer Bürgerschaft über die Frage, in welcher Stadt jene leben möchte. Unverständlich erscheint auch, wie sich die Stadtsprecherin Jana Hecker mit politischen Statements in die Diskussion einmischt (Freie Presse vom 12.07.2012), obwohl sie nur die Kompetenzen einer Verwaltungsangestellten hat. Hier wird offenbar Politik und Verwaltung vermischt."