GRÜNE Landtagsabgeordnete beklagt in Zschopau niedrigen Betreuungsschlüssel und fordert Bürokratieabbau bei medizinischer Versorgung der Asylbewerber

Der Ausländerbeauftragte des Erzgebirgskreises Johannes Roscher (links) im Gespräch mit Petrai Zais, migrationspolitische Sprecherin der GRÜNEN-Landtagsfraktion (rechts)

Die asyl- und migrationspolitische Sprecherin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag, Petra Zais, informierte sich am Freitag, den 08. Mai, in Zschopau beim Ausländerbeauftragten des Erzgebirgskreises und Leiter der kirchlichen Erwerbsloseninitiative, Johannes Roscher, zur Unterbringungs- und Betreuungssituation von Flüchtlingen und Asylbewerbern in der Region.

Die Abgeordnete plädiert für die Einführung einer Gesundheitskarte nach dem Vorbild von Ländern wie Hamburg oder Bremen, die den Asylbewerbern einen direkten Arztbesuch ermöglichen, ohne dass mit bürokratischem Aufwand die Behörde zur Ausstellung des bisher geforderten Krankenscheines eingeschaltet werden muss.

Kritisch angesprochen wurde erneut der von der Staatsregierung vorgegebene Betreuungsschlüssel von 1 : 150, der im ländlichen Raum nur eine sehr unzureichende soziale Betreuung der Flüchtlinge ermöglicht und zu einer unzumutbaren Überforderung der in diesem Bereich tätigen Sozialarbeiter führt.

Bemängelt wurden zudem die häufig weiten Fahrwege für schulpflichtige Kinder von Asylbewerbern, da in nur vier Schulen des Kreisgebietes Integrationsklassen bestehen. Auch existiert dort nach wie vor ein großer Bedarf an Lehrern, die Deutsch als Zweitsprache unterrichten. Mit entsprechenden Weiterbildungsangeboten für Lehrer und einem notfalls unkonventionellen Einsatz anderer Pädagogen, die das bis jetzt geforderte Qualifikationsniveau nicht vorweisen können, könnte dieses Defizit behoben werden, so Zais.

Die Landtagsabgeordnete lobte das Engagement vieler Ehrenamtlicher im Erzgebirge, die mit Patenschaften oder Sprachkursen den Neuankömmlingen das Einleben im Erzgebirge erleichtern helfen.

Zuvor besichtigte die GRÜNE das ehemalige Lehrlingswohnheim in Zschopau, in dem jetzt durch den Landkreis Asylbewerber untergebracht sind und von ausländerfeindlichen Kreisen immer wieder zum Anlass für Protestmärsche genommen wird.

In Annaberg-Buchholz nutzte die Politikerin die Möglichkeit, sich über das geplante "Welcome-Center" im Erzgebirge zu informieren, das perspektivisch als erste Anlaufstelle für ausländische Fachkräfte fungieren und bei der Wirtschaftsförderung angesiedelt werden soll. Als Bindeglied zwischen Zuwanderern, Unternehmen und Institutionen soll es dazu dienen, dem hohen Fachkräftemangel im Erzgebirge entgegenzusteuern.