GRÜNE nach dem Schlagloch-Winter: "Erhalt vor Neubau" - Landkreis ohne Nachhaltigkeits-Kompass

Die seit über 50 Jahren gesperrte ehemalige Staatsstraße zwischen Jägerhaus und Steinheidel

Ulrike Kahl, Kreisvorsitzende der Erzgebirgs-GRÜNEN

Eis und Schnee sind geschmolzen, nun wird allerorts auf den Straßen des Erzgebirgskreises das Ausmaß an Schlaglöchern sichtbar. An zahlreichen Stellen im Kreisgebiet weisen Warnschilder auf die Straßenschäden hin. Neben Geschwindigkeitsbegrenzungen mussten sogar vollständige Sperrrungen veranlasst werden. Eine fianle Schadensbilanz steht noch aus. Sicher ist nur, dass viel Geld für die Reparatur benötigt wird. 

Die GRÜNEN fordern daher, dass beim Straßennetz die Prämisse "Erhalt vor Neubau" gilt.

„Angesichts der großen Herausforderungen beim Erhalt der schon bestehenden Straßen, ist es für uns erzgebirgische GRÜNE völlig unverständlich, dass das Landratsamt den Bau ganz neuer Kreisstraßen vorantreibt“, so Ulrike Kahl, Kreisrätin der GRÜNEN.

So will die Landkreisverwaltung u. a. die seit über 50 Jahren gesperrte ehemalige Staatsstraße zwischen Jägerhaus und Steinheidel grundlegend ausbauen, verbreitern und für den öffentlichen Verkehr öffnen. Dies wurde in der Sitzung des Technischen Ausschusses Ende Januar bekannt.

Der Freistaat selbst wollte diese ungenutzte Straße mangels Bedarf einziehen und dem Sachsenforst überlassen. Dagegen intervenierte der Landkreis, der jetzt das Eigentum an der Straße übernommen hat.

„Aus unserer Sicht sprechen die komplizierte Topografie, der fehlende Bedarf, unkalkulierbare Unterhaltskosten und der damit verbundene Eingriff in den Naturhauhalt gegen den Ausbau des Waldweges", so Kahl weiter. 

"Nach unserer Auffassung wäre die beste Lösung, wenn ihn der Sachsenforst übernimmt, für seine Zwecke befestigt und für Rettungsfahrzeuge öffnet, die so einen Shortcut zu den Kliniken Erlabrunn hätten."

Die GRÜNEN sehen sich durch die Auffassung der Staatsregierung bestätigt, wie aus einer Antwort auf eine Anfrage des GRÜNEN Landtagsabgeordneten Volkmar Zschocke vor zwei Jahren hervorging:

Die Erlangung eines Baurechts schätzte sie als kompliziert ein, da die jetzige Trasse gewachsene Waldstrukturen durchquert und auch alle Fragen der Entwässerung ungeklärt seien. Die Ausbaumaßnahme würde einen deutlichen Eingriff in diese Strukturen bedeuten, so das Wirtschaftsministerium.

„Leider ignoriert der Landkreis diesen Befund und steckt weiteres Geld in die Vorplanungen. Für uns zeigt sich in dem Vorhaben, dass der Landrat und die Kreisräte, die seine Pläne befürworten, keinen Nachhaltigkeitskompass haben. Dies umso mehr, da das Gebiet um Jägerhaus für viele Einheimische und Touristen ein wichtiger Ort der Naherholung ist. Dort befindet sich neben dem Domizil des Schwarzenberger Skiclubs ein Loipeneinstieg. Zahlreiche Wanderer und Freizeitsportler tanken da Körper und Seele auf“.

„In den Wäldern um Jägerhaus haben auch Schwarzstorch und Luchs ihre Lebensräume. Fichtenbestände und große Bergahornbäume müssten dem Bau weichen. Was da betrieben werden soll, ist eine rückwärtsgewandte Infrastrukturpolitik, die zu Lasten unserer kostbaren Erzgebirgsnatur und letztlich unserer Enkelkinder geht.“

„Wir GRÜNEN können diesen Weg nicht mitgehen und sehen angesichts des stark sanierungsbedürftigen Straßennetzes im Kreisgebiet die Dringlichkeit, dieses - zumal bei rückläufigen Verkehrszahlen - zu erhalten, statt veranschlagte siebzehn Millionen Euro in fragliche Neubauprojekte zu stecken“, so Ulrike Kahl.