Grüne warnen vor künstlichem Weiß

Anlässlich des International Mountain Day der Vereinten Nationen am 11. Dezember 2008 warnen BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Erzgebirge vor weiteren Investitionen in Beschneiungsanlagen und Schneekanonen.

In einem von der Mitgliederversammlung des Kreisverbandes beschlossenen Positionspapier heißt es, Klimawissenschaftler prognostizierten mittlerweile in breiter Übereinstimmung, dass in Höhenlagen unterhalb von 1500 bis 1800 m in wenigen Jahrzehnten kein wirtschaftlicher Betrieb von Skigebieten mehr möglich sei. Beschneiungsanlagen in tiefer gelegenen Regionen seien somit weder wirtschaftlich noch ökologisch verantwortbar.

Die zunehmende Häufigkeit milder Winter mache mit der Einsetzbarkeit der Beschneiungsanlagen auch ihre Refinanzierung unsicher.

„Die öffentliche Hand darf für solche Projekte keine Mittel zur Verfügung stellen, noch sonstige Investitionsanreize setzen,“ fordert der Autor des Papiers, Dr. Hartmut Kahl, und fährt fort: „Wenn gegenwärtig schon 59% aller Pisten in Südtirol künstlich beschneit werden, erscheint es für eine Mittelgebirgsregion wie das Erzgebirge geradezu absurd, durch den Einsatz von Schneekanonen den härter werdenden Konkurrenzkampf um die Gunst der Wintersport-Touristen zu gewinnen.“

Mit ihrem Beschluss wollen die Erzgebirgs-Grünen darauf aufmerksam machen, dass die künstliche Beschneiung von Skipisten nicht nur große Mengen an Energie und Wasser verbraucht, sondern das ökologische Gleichgewicht der Landschaft auch über die Saison hinaus gefährdet: Wegen seiner höheren Dichte schmilzt Kunstschnee zwei bis drei Wochen später und verzögert damit den Beginn der Vegetation. Zudem enthält das Schmelzwasser von Kunstschnee ca. viermal mehr Nährstoffe und Mineralien als natürliches und befördert so die Verkümmerung der biologischen Vielfalt der Berghänge, an denen dann Pflanzen mit hohem Nährstoffbedarf dominieren.

Den Herausforderungen des Klimawandels in Bergregionen müsse durch eine Doppelstrategie begegnet werden, die eine deutliche Reduktion von Treibhausgasen mit der Entwicklung von Anpassungsmaßnahmen kombiniert. So müsse das Tourismusmanagement mit attraktiven Sportangeboten wieder stärker auf das Sommerhalbjahr zielen. Selbst ein profilierter alpiner Wintersportort wie Davos mache heute schon 40% seines Umsatzes im Sommer.

Der jährliche "International Mountain Day" am 11. Dezember wurde 2003 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen eingeführt, um auf die besonderen Anforderungen einer nachhaltigen Entwicklung in Bergregionen aufmerksam zu machen.