GRÜNE zur Aussetzung der Geburtshilfe im Kreiskrankenhaus Stollberg im nächsten Jahr

Volkmar Zschocke, Fraktionsvorsitzender der GRÜNEN-Landtagsfraktion

Die Freie Presse berichtet am 16.12.2015 in der Stollberger Ausgabe, dass ab dem 1. Januar 2016 die Geburtshilfe im Kreiskrankenhaus Stollberg ausgesetzt wird, weil die Dienste mit Hebammen nicht mehr abdecken werden können. 

Volkmar Zschocke, gesundheitspolitischer Sprecher der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Sächsischen Landtag erklärt dazu: "Der Freistaat darf nicht zuschauen, wie die letzten Hebammen in Sachsen gezwungen sind, die Geburtshilfe aufzugeben. Der Mangel an Hebammen, den wir gerade in der Stollberger Klinik erleben, ist das traurige Resultat des Nichthandelns der Regierungskoalitionen auf Bundes- und Landesebene. Die Leidtragen sind neben den Hebammen auch die Mütter und Väter, die kaum mehr eine Hebamme finden, die sie in der Geburtsvorbereitung, zur Geburt und im Wochenbett betreut. Qualifizierte Fachkräfte zu finden, wird daher - wie der Fall in Stollberg eindringlich aufzeigt - immer schwieriger." 

"Die flächendeckende Hebammenversorgung in Sachsen ist ernsthaft in Gefahr. Davon konnte ich mich auf der viertägigen Hebammen-Tour durch Sachsen im Juli überzeugen. 

In Sachsen geht es nicht mehr um Versorgungsengpässe", so Zschocke. "Wenn der Freistaat nicht gegensteuert, wird es bald keine Geburtshäuser, persönlichen Hebammen oder ambulante Geburten in Sachsen mehr geben. Die realen Zahlen der Geburtshilfe müssen jetzt endlich auf den Tisch. Sachsen braucht dringend Lösungen, die Hebammenversorgung wieder flächendeckend sicherzustellen."

Dazu hat die GRÜNE-Fraktion im Juli den Antrag "Geburtshilfe und Hebammenversorgung in Sachsen sicherstellen" in den Landtag eingebracht. "Obwohl alle Fraktionen sich in der Debatte einig waren, wie wichtig die Arbeit von Hebammen für Familien in Sachsen ist, lehnten CDU und SPD unseren Antrag im September in allen Punkten ab. Wir werden weiter Druck machen. Die Vertröstungen von Ministerin Barbara Klepsch (CDU) helfen den Hebammen in keiner Weise.", so Zschocke abschließend.

Hintergrund:

In den vergangenen Jahren sind die Versicherungsbeiträge für freiberufliche Hebammen drastisch angestiegen. Die kaum bezahlbaren Beiträge haben auch in Sachsen zu großflächigen Hebammenverlusten geführt. Die letzten etwa 70 Hebammen, die überhaupt noch ambulante Geburtshilfe anbieten, sind in ihrer Existenz bedroht.