GRÜNEN-Kreisrätin Ulrike Kahl: Mit Willen und Kreativität der Ehrenamtskarte auch im Erzgebirge zu Attraktivität verhelfen

Ulrike Kahl, Kreisrätin der GRÜNEN im Erzgebirgskreis

Zur Leserfrage am 01.03.2018 in der FREIEN PRESSE und entsprechender Antwort des Landratsamtes zum Einsatz der Ehrenamtskarte äußert sich Ulrike Kahl, Kreisrätin von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wie folgt: Die Frage des Bärensteiner Bürgers, warum nur mittwochs der vergünstigte Tarif für Inhaber der Ehrenamtskarte zur Benutzung der Fichtelbergbahn angeboten wird, ist für mich völlig verständlich, denn wer ist schon in der Lage, seine Aktivitäten zeitlich so zu planen und zu gestalten, dass er diese Vergünstigung genau an diesem einen Tag in Anspruch nehmen kann? 

Auch ich wurde als Kreisrätin des Öfteren dazu angesprochen, dass die Angebote, die die Ehrenamtskarte in der Region bietet, nicht unbedingt ansprechend gestaltet und einladend sind.Gerade hier jedoch beißt sich die Katze in den Schwanz: will ich die Karte für Ehrenamtliche attraktiv machen und habe ein echtes Interesse daran, deren Arbeit zu würdigen oder tragen die eingeführten Angebote eher Alibi-Charakter? - Dann bleibt sie auf der Strecke und die Ehrenamtlichen mit ihr.

Immer noch verweigern Kommunen deren Ausgabe, geschweige denn fungieren sie als Kooperationspartner - das spricht nicht für Wertschätzung, sondern wohl eher für Ignoranz.Immer wieder werde ich mit dem Argument kommunaler Entscheidungsträger konfrontiert, dass doch die Ehrenamtlichen diese Arbeit gern tun und gar keine Gegenleistung dafür in Anspruch nehmen wollen. 

Eine kurze Internetrecherche im Altbundesgebiet jedoch zeigt, dass diese „Goldenen Karten“, wie die Ehrenamtskarten dort häufig bezeichnet werden, regen Zuspruch finden: Da werden extra Apps kreiert, die den Trägern anzeigen und sie führen, wo günstige Angebote für sie bereitgehalten werden. Da reichen Länder ihren Kommunen Anschubfinanzierungen - wie beispielsweise in NRW - aus, um die Ehrenamtskarte geeignet zu bewerben. Oder es gibt Landratsämter, wo entsprechende Sachbearbeiter sich in besonderer Weise für den Erfolg der Karte einsetzen. Da werden attraktive Verlosungen für Hotelaufenthalte oder Fußball-Tickets durchgeführt - Ideen, die der Ehrenamtskarte zur Popularität verhelfen. Natürlich werden dort auch die Angebote des öffentlichen Sektors deutlich mehr ergänzt durch Kooperationspartner aus der freien Wirtschaft, da sind KfZ-Werkstätten, Bäckereien, Apotheken, Fachgeschäfte, Tanzschulen und viele andere dabei, die die Ehrenamtskarte als Instrument für Wertschätzung und Kundenbindung begreifen. Offensichtlich sind wir da noch Entwicklungsland - mit etwas mehr Willen und Kreativität dürfte es jedoch auch im Erzgebirge gelingen, aus der einfältigen, ungewollten, eine „Goldene Ehrenamtskarte“ zu machen. Die zahllosen Ehrenamtlichen jedenfalls hätten dieses Dankeschön im Scheckkartenformat hoch verdient.