Konstruktive Windkraft-Debatte in Mildenau

Am 27. Februar folgten rund 25 Interessierte der Einladung der Erzgebirgs-GRÜNEN in den Mildenauer Gasthof zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung mit dem energiepolitischen Sprecher der grünen Landtagsfraktion, Johannes Lichdi.

Für inhaltliche Fragen saß Conny Göckeritz, Energieberater aus Schlettau und ebenfalls Erzgebirgs-Grüner, auf dem Podium. Moderiert wurde die Veranstaltung vom GRÜNEN-Direktkandidaten zur Bundestagswahl (Wahlkreis Erzgebirge I), Bert Meyer. Er betonte, es sei nicht Sinn der Veranstaltung alle Anwesenden zu einem Konsens zu bringen - eine sachliche Auseinandersetzung dagegen schon. Nach der umfassenden Vorstellung des Mildenauer Vorhabens in der Bürgerversammlung zwei Tage zuvor war nicht mehr genügend Zeit für eine konstruktive Diskussion geblieben. Dürftig begründete "Nein"-Stimmen aus der Bevölkerung hatten schnell zu einer hitzigen Atmosphäre geführt.

Neben lokalen Naturschützern, Vertretern der Landwirtschaft und des Tourismus erhielten die Mildenauer nun sogar Besuch aus dem Dresdner Raum. Detlef Wächtler aus Stolpen berichtete über seine Erfahrungen mit Windkraftanlagen. Wegen deren Nähe bewerte die Bank sein Grundstück als Kreditsicherheit nur noch mit der Hälfte. Würden nun die 100 m hohen Räder durch 180 m hohe "repowert", befürchtet er den Wegzug seiner Mieter. Weil der Selbständige Antworten darauf von der Politik erwartete, besuchte er die Veranstaltung in Mildenau. Heike Riedel aus dem Osterzgebirge wies genauso wie Harry Meinel aus Mildenau auf die negativen Auswirkungen für den Tourismus hin. Landschaften ohne Windräder würden von manchen Touristen gezielt gesucht, und hier wie dort sei die Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges in einer strukturschwachen Region nicht zu unterschätzen. Dass die Kuppen Geisingberg und Kahleberg im Osterzgebirge wie Fichtel- und Pöhlberg als freizuhaltende Landschaftselemente gelten, sei ein richtiger Schritt.

An der Notwendigkeit der Energiewende und notwendige Beiträge aller Regionen wurden keine Zweifel geäußert. Wolfgang Riether vom BUND wies jedoch in diesem Zusammenhang auf andere Naturgüter hin, die das Erzgebirge bereitstellen könne: Holz und Trinkwasser sowie Biogas aus der Landwirtschaft. Die anwesenden Landwirte relativierten diese Meinung: Biogasgewinnung sei ohne Maiszugabe kaum wirtschaftlich. Im Sinne kleiner Stoffkreisläufe werde der selbst angebaute Mais für die eigenen Tiere benötigt, und an einem großflächigen Maisanbau darüber hinaus bestehe kein Interesse.

Jürgen Teucher als ehrenamtlicher Naturschutzhelfer aus Arnsfeld bezweifelte die Zulässigkeit des geplanten Windanlagenstandortes östlich und westlich des NSG Rauschenbachtal.

Johannes Lichdi wies in seinem Vortrag nicht zuletzt auf die Wertschöpfung vor Ort, ja die Demokratisierung der Energiewirtschaft hin, die mit der Dezentralisierung der Energiegewinnung einhergehe. Nicht nur die Gewerbesteuer, von der mindestens 70% am Ort der Anlage bleibe, auch die Gewinnbeteiligungen von Gemeinde und Bürgern beförderten die Akzeptanz. Schließlich könne unter Beachtung des Schutzes von Mensch und Natur in Sachsen 30% des Strombedarfs aus Windkraft gedeckt werden.

Dies sei bei der Entscheidung zu bedenken, die letztlich die Bürgerinnen und Bürger vor Ort zu treffen hätten.

Diese Auffassung wurde schließlich von den beiden stellvertretenden Bürgermeistern und Kandidaten für die anstehende Bürgermeisterwahl, Andreas Mauersberger und Sebastian Schreiter, untermauert.