Kreisrat Heiko Reinhold zur Generalsanierung des Erzgebirgsstadions

Heiko Reinhold, GRÜNER Kreisrat und stellvertretender Fraktionsvorsitzender

Der Kreistag entschied am 20. Juni 2013 über den Start zur Generalsanierung des Sparkassen-Erzgebirgsstadions Aue. Die Vorlage wurde mit großer Mehrheit (12 Gegenstimmen, 5 Enthaltungen) angenommen, obwohl es bereits in den Ausschüssen einige Vorbehalte gab.

Heiko Reinhold gab im Namen der Fraktion SPD/GRÜNE eine Stellungnahme ab, in der die ablehnende Position der Fraktion bekräftigt und begründet wird. Er fasst die wesentlichen Punkte zusammen:

"Die Fraktion SPD/GRÜNE lehnt die Vorlage zum VOF-Vergabeverfahren ab. Unsere Kritik richtet sich nicht gegen den FCE, gegen die Fans (die im übrigen auch nicht alle einen Umbau befürworten) oder gegen die notwendigen Sanierungsarbeiten. Wir kritisieren aber das vorgeschlagene Verfahren, das aus unserer Sicht von den vereinbarten Maßnahmen abweicht.

Positiv fällt auf, dass der Kreis- und Finanzausschuss zur Vorberatung dieser Vorlage öffentlich tagte. Das, was sonst kaum möglich ist, wurde hier problemlos durchgeführt, so dass auch öffentlich darüber informiert werden konnte. Das sollte sich dann auch bei anderen Gelegenheiten ermöglichen lassen.

Der Landkreis ist Eigentümer dieses Stadions - unfreiwillig. Er hat es - wie viele andere Einrichtungen auch - aus dem Altlandkreis Aue-Schwarzenberg übernommen.

Doch bei anderen Einrichtungen wurde auch schon die Frage gestellt "Wie geht es weiter, wollen wir das weiterhin behalten?" Beim Stadion wissen wir, dass sich das nicht einfach so verkaufen lässt. Die Frage "Wie geht es damit weiter?" kann dennoch erlaubt sein. Aber vorher ist ein Rückblick sinnvoll.

Vor zwei Jahren, als der Chemnitzer Stadtrat den Bau eines neuen Stadions für den CFC beschloss, wurde auch in Aue über mögliche Bauvorhaben spekuliert. Der Landrat ärgerte sich damals darüber, wie über das Erzgebirgsstadion gesprochen wurde: "Als hätten wir ein altes, fast nicht mehr taugliches Stadion." Und es gebe keine Auflagen der Deutschen Fußball-Liga, die die Arena in Frage stellen. Über eine Modernisierung mit einem Investitionsvolumen von 8-10 Millionen Euro wurde gesprochen.

Im vorigen Jahr konnten wir uns vor Ort von der Notwendigkeit einer Sanierung überzeugen. Es wurde ein Konsens angestrebt und für alle Beteiligten war klar, dass zunächst die Finanzierung geklärt sein muss. Wir haben nicht gehört, dass das der Landkreis selbstverständlich bezahlen soll. In den letzten Jahren mussten wir bereits schon mehrere hunderttausend Euro jährlich in das Stadion fließen lassen, und im aktuellen Haushaltsplan fanden sich dann plötzlich vorgesehene 15 Millionen Euro, die als Kredit aufgenommen werden könnten, die aber angeblich noch lange nicht ausreichen. Auch bei niedrigen Zinsen ergibt sich damit eine nicht zu vernachlässigende Belastung für den Kreishaushalt. Geld, das dann logischerweise an anderen Stellen nicht zur Verfügung steht. Der Kreistag kann sich dazu bekennen, aber um das zu rechtfertigen, müssten aus unserer Sicht auch ein paar Vorleistungen und Zuarbeiten seitens des Vereins erbracht werden.

Leider wurden mehrere Anfragen nicht beantwortet, es gibt kein schlüssiges, innovatives Betreiberkonzept, der FCE ist 2011 knapp der Insolvenz entgangen und hat in den letzten zwei Jahren gerade so den Klassenerhalt geschafft. Ob die sinkenden Zuschauerzahlen allein mit einer Sanierung wieder erhöht werden können, ist fraglich.

So bleiben noch viele Fragen offen, die vor Eintritt in das Vergabeverfahren geklärt werden sollten.

Die Vorlage sieht zudem keine gleichberechtigte Mitwirkung der Fraktionen vor. Das ist für uns nicht akzeptabel. Die Erfahrungen mit der Großbaustelle Verwaltungsbau lassen eine gewisse Skepsis angebracht erscheinen.

Ich zitiere noch einmal Landrat Vogel: "Deshalb sollten wir auf dem Weg bleiben, gemeinsam nur das zu tun, was wir uns leisten können." Was für einen Neubau gilt, gilt nach unserer Auffassung auch für eine Sanierung."