„Radikaler Vorschlag für Schnellweg“ - Eine Erwiderung

Uwe Kaettniß, Kreisvorstandsmitglied der GRÜNEN aus Lauter

Da ist sie also wieder, die Chimäre vom Erzgebirgsschnellweg. Mit unschöner Regelmäßigkeit hervorgeholt und dieses Mal vorgetragen von der Industrie- und Handelskammer. Nun könnte man sich fragen, wie die IHK eigentlich dazu kommt sich mit der Ortsumfahrung für eine erzgebirgische Kleinstadt zu befassen, denn die Erarbeitung von Verkehrslösungen für die geplagten Anwohner von Bundesstraßen gehört ja wohl kaum zu den Kernkompetenzen der IHK, auch wenn der Geschäftsführer des größten Busunternehmens des Landkreises diese Arbeitsgruppe anführt, oder gerade deshalb nicht.

Vielleicht ist es aber auch gar nicht die Sorge um die Anwohner der B 101 in Lauter, sondern die ewige Mähr von der Belebung der Wirtschaft durch neue Straßen, die ebenso falsch und X-Mal wissenschaftlich widerlegt wurde, wie sie sich des hartnäckigen Lebens eines Untoten erfreut.

Dabei wird nun wiederum völlig ausgeblendet, dass die Ortsumgehungsvariante durch das Schwarzwassertal keineswegs am Status dieses Gebietes als europäisches Naturschutzgebiet scheiterte, sondern nach Aussage des sächsischen Wirtschaftsministeriums an der mangelnden verkehrlichen Lenkungswirkung zum Einen und an der völligen Unfinanzierbarkeit eines solchen gigantomanistischen Vorhabens.

Aus diesen guten Gründen ist der Erzgebirgsschnellweg von der sächsischen Staatsregierung abgelehnt und nicht in den Landesentwicklungsplan aufgenommen, wurden auch seitens der Bundesregierung für die Geltungsdauer des aktuellen Bundesverkehrswegeplanes keine Finanzmittel für die Ortsumfahrung Lauter bereit gestellt.

Das könnte eigentlich reichen um sich nunmehr mit praktikablen, finanzierbaren und zeitlich naheliegenden Lösungen zu befassen, wie sie von den GRÜNEN im Erzgebirge mehrfach ins Gespräch gebracht wurden.

Ein Satz aber sei noch gestattet: Wer überhaupt auf die groteske Idee kommt die Bundesstraße in das Schwarzwassertal zu bauen ist offenkundig nur noch bereit seine erzgebirgische Heimat vom Lenkrad her zu betrachten, und willens eines der schönsten Flusstäler der Region an die Betonlobbyisten zu opfern.

Von der IHK könnte man darüber hinaus erwarten, dass sie sich tatsächlich mit der Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft im Erzgebirge und den damit im Zusammenhang stehenden Problemen befasst. Ein Mangel an Straßen wird mit Sicherheit nicht zu diesen Problemen gehören, schon eher der Mangel an Geld in den Kassen der Gemeinden und Landkreise für die Unterhaltung der jetzt schon vorhandenen Verkehrswege. Dabei gibt es existentielle Probleme genug. Angefangen bei der demografischen Entwicklung, die der entscheidendste Standortnachteil der Region in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sein wird, über die Wanderungsbewegung und Landflucht der jungen Erzgebirger, die nicht zuletzt der Lohn- und Tarifpolitik in Sachsen geschuldet ist. Wenn sich die IHK dieser Problemlagen endlich annimmt und für diese Lösungskonzepte entwickelt,  dann würde mich möglicherweise das Gefühl wieder verlassen, dass meine Finanzierungsbeiträge an die IHK, die ich zwangsweise als Unternehmer leisten muss, zum Fenster hinaus geworfenes Geld sind.