Schlafender Riese wartet auf Weckruf - Das Reiseland Erzgebirge hat seine Hausaufgaben noch nicht erledigt

Blick auf die Gemeinde Sosa im Erzgebirgskreis

Im Wirtschaftszweig Tourismus hat das Erzgebirge ein Potential wie kaum eine andere Region Sachsens. Auf einer Fachtagung in Freiberg sagte Frank Ortmann, Referatsleiter Tourismus im Staatsministerium für Wirtschaft und Arbeit, mit Blick auf die Entwicklungsmöglichkeiten der sächsischen Reisegebiete: „Das Erzgebirge ist der schlafende Riese.“ Im umkämpften Wettbewerb der deutschen Mittelgebirge müsse die Region als eine einheitliche Dachmarke mit klarem Profil auftreten. Eine unklare Aufgabenteilung innerhalb der touristischen Strukturen und eine Vernachlässigung der Marktforschung seitens der Akteure vor Ort stehe dem aber noch entgegen. Die Notwendigkeit der Entwicklung des Erzgebirges zu einem international wahrgenommenen Urlaubs- und Reiseziel – in Fachkreisen Destination genannt – werde noch nicht als zentrale Zukunftsaufgabe wahrgenommen. Andere Regionen hätten dies schon umgesetzt, so etwa der Schwarzwald.

Dr. Hartmut Kahl, grüner Direktkandidat des Erzgebirges für den Bundestag und Teilnehmer der Tagung, sagte dazu:
„Die tourismuspolitischen Entscheidungsträger müssen endlich zum Weckruf ansetzen, damit sich der schlafende Riese zu regen beginnt. Wenn es in den kommenden beiden Jahren nicht gelingt, dass Erzgebirge als einheitliche Marke zu begreifen, rennen uns andere deutsche Reisegebiete uneinholbar davon.“ Kahl kündigte für das kommende Frühjahr ein eigenes Positionspapier zum Thema Tourismus im Erzgebirge an. „Hier haben wir als GRÜNE einiges mitzuteilen,“ sagte er mit Blick auf die Versäumnisse der letzten Jahre.

Ortmann betonte auch die touristischen Herausforderungen schneearmer Winter und meinte: „Der Klimawandel hat uns im Griff.“ Die milden Temperaturen des letzten Winters hätten sich im Erzgebirge entgegen dem sächsischen Gesamttrend in einem deutlich schwächeren Wachstum bei den Übernachtungen niedergeschlagen. Der Schneereichtum der aktuellen Saison dürfe deshalb nicht darüber hinwegtäuschen, dass es künftig auf einen Ausbau ganzjähriger Angebote ankomme.

Vor einer Verdrängung des Klimawandels unter Tourismusplanern hatte erst jüngst Prof. Stefan Gössling von der Universität Lund gewarnt: „Häufig wird angenommen, dass der Klimawandel erst in zehn oder zwanzig Jahren ein Thema wird,“ sagte er gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. 

 

Zum Nachlesen:

„Klima und Krise“ in: Frankfurter Allgemeine Zeitung Nr. 36 vom 12.02.2009, S. R 3

Fachinformation „Wirtschaftsfaktor Tourismus in Sachsen 2008“, herausgegeben vom Landestourismusverband Sachsen e.V.     

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