Veggie-Day: Freiwilligkeit, kein Zwang

Bert Meyer, Bundestagskandidat der GRÜNEN im Wahlkreis Erzgebirge I

Da haben wir GRÜNEN wieder mal für Aufregung gesorgt - mit der Forderung nach wöchentlich einem vegetarischen Tag. Und schon springen sie über das Stöckchen, das wir ihnen damit hinhielten: All diejenigen, die schon immer wussten, dass die GRÜNEN in Wirklichkeit Öko-Diktatoren seien. Dass die FDP am aufgeregtesten sprang, wundert mittlerweile niemanden mehr, wie der "Wochenspiegel" am 10. August berichtete. Wundern muss man sich allerdings, wenn sich das Konkurrenzblatt "Blick" zeitgleich mit eigenem Kommentar zu unsäglichen Nazi-Vergleichen hinreißen ließ.

Dabei hätte zunächst ein "Blick" auf die GRÜNEN-Homepage genügt um festzustellen, dass der Veggi-Day eben nicht per Gesetz eingeführt werden soll - Selbsterkenntnis statt Zwang! Dieser Tag soll auf Freiwilligkeit basieren und nicht vom Staat vorgeschrieben werden. Viele Kantinen bieten bereits mit großem Erfolg vegetarische Gerichte an. Soweit der gastronomische Aspekt.

Nun zum landwirtschaftlichen (industriellen?) Aspekt: Hat man von den Veggi-Day- Kritikern jemals eindeutige Stellungnahmen zur Massentierhaltung gehört? Zu der damit einhergehenden industriellen Tierquälerei und zum massenhaften Verabreichen von Antibiotika, dem seuchenhygienischen Dauerskandal? Während jeder kleine Gastronom peinlichst genau etliche Hygieneregeln einzuhalten hat, bleibt die Gefahr der Verbreitung von Krankheitserregern und Antibiotika-Resistenzen in der industriellen Tierhaltung ohne durchgreifende Konsequenzen. Logisch ist das nicht, aber ein Indiz, welche Lobby das Sagen hat.

Im Erzgebirge findet man zum Glück kaum Stallanlagen, in denen viele tausend Tiere konzentriert sind. Trotzdem hat die Viehwirtschaft bei uns einen höheren Stellenwert, weil sich das Gebirgsland naturgemäß eher für Weidewirtschaft und weniger gut für den Ackerbau eignet. Viele einheimische Betriebe nähern sich mit eigenem Futtermittelanbau der Kreislaufwirtschaft und finden so ihr Auskommen. Sie sind deswegen nicht "Bio", unterliegen aber genauso wenig dem Wahn der Gewinnmaximierung mittels gigantischer Tierbestände.

Der Veggi-Day wird diesen Betrieben nicht das Wasser abgraben, schließlich ist der Mensch biologisch gesehen ein Allesfresser und Fleisch wird weiter zu seinem Speiseplan gehören. Allerdings ist der Mensch auch mit einem Bewusstsein ausgestattet und weiß Verhältnismäßigkeiten zu beurteilen. Und genau darum geht es:

  • Ohne Not haben die GRÜNEN den Veggi-Day nicht ins Wahlprogramm aufgenommen. Jeder Blick in einen Stall mit mehreren tausend Tieren zeigt, wie groß die Not ist.
  • Zur Produktion von 1 kg Fleisch werden 16 kg Getreide und 15.000 l Wasser verbraucht. Wenn wir Fleisch nicht von unserem Speiseplan streichen:  Muss es diesen aber dominieren?
  • Es geht um einen vegetarischen Tag pro Woche, nicht fünf, nicht sieben und nur vegetarisch, nicht vegan.
  • Ist das wirklich zuviel verlangt?

Mehr über Bert Meyer finden Sie auf seiner Internetseite www.bert-meyer.de