Verstößt das Anton-Günther-Plakat der NPD gegen Urheberrecht?

Bert Meyer, Bundestagskandidat im Wahlkreis Erzgebirge I

Der Kreisverband Erzgebirge von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ist der Auffassung, dass - anders als in der Freien Presse vom 18.09.2013 diskutiert - durchaus eine rechtliche Handhabe bestehen könnte, gegen das Anton-Günther-Plakat der NPD vorzugehen.

Dazu Bert Meyer, GRÜNER Direktkandidat zur Bundestagswahl im Wahlkreis 164/Erzgebirgskreis I:

"Das von der NPD auf dem Plakat verwendete Foto wurde in den Dreißiger Jahren von dem in der Region bekannten Fotografen Franz Landgraf aufgenommen, der eine Art "Hausfotograf" von Anton Günther war. Franz Landgraf ist im Jahr 1953 verstorben. Gemäß § 64 UrhG erlischt das Urheberrecht an einem Bild aber erst 70 Jahre nach dem Tod. Die Erben Franz Landgrafs haben also noch bis zum Jahr 2023 die Rechte an dem Bild. Sie könnten daher beim zuständigen Gericht eine einstweilige Unterlassungsverfügung gegen das Plakat beantragen. Im Falle des Erfolges könnte jede Zuwiderhandlung, d.h. jedes nicht abgehängte Plakat, mit einer Geldstrafe geahndet werden.

Selbst wenn die NPD irgendwoher die Nutzungsrechte für das Bild erworben hätte, wäre die Nutzung dennoch nicht unbedingt rechtmäßig. Denn anders als im Originalfoto, wurde Anton Günther auf dem Plakat mit einem zwinkernden Auge versehen. Das stellt eine Bearbeitung des Originalwerkes dar, welche zusätzlich einer Einwilligung durch die Erben des Fotografen bedurft hätte."